In Mimimi-Montag

Wann ist eine Verabredung eine Option geworden?

Einen wunderschönen guten Morgen! Dank meines genialen Organisationstalents (ich unterdrücke an dieser Stelle ein Hüsteln) und dem lieben Jürgen, der mich freundlicherweise gestern daran erinnert hat, dass ein neuer Montag ansteht, könnt ihr diese Woche tatsächlich mal wieder mit meiner schlechten Laune in den Tag starten. Ich habe es doch allen Ernstes mal wieder geschafft, den Beitrag noch vor dem Montag zu schreiben, und bin wirklich mächtig stolz auf mich. Gut, das ist zur Hälfte dem Zufall zu verdanken, denn zufällig war ich gerade zuhause vor dem Laptop, als mir ein paar Dinge eingefallen sind, über die man sich wunderbar aufregen könnte. Ich darf euch mal wieder willkommen heißen zu unserem Hassformat, das wir alle lieben!

Menschen, die sich nicht an eine Verabredung halten

Könnt ihr euch noch daran erinnern, wie es früher war, als das Smartphone noch nicht mal in der Planungsphase war und Anrufe in andere Handynetze noch ein halbes Vermögen kosteten? Kaum mehr vorstellbar, ich weiß. Was mir an dieser grässlichen Zeit jedoch gut in Erinnerung geblieben ist, ist das Verhältnis, das man zu Verabredungen hatte. Ausgemacht war ausgemacht. Hat man vereinbart, sich um 12 am Spielplatz/an der Tankstelle/wo auch immer zu treffen, waren beide um die vereinbarte Zeit da – oder haben es zumindest versucht. Kurzfristig absagen konnte man nicht, da man entweder kein Handy oder kein Guthaben hatte, also musste man sich mindestens einen Tag vorher abmelden. Ach, war das herrlich.

Heutzutage hingegen muss man, wenn man selbst derjenige ist, der pünktlich kommt, bis zur letzten Minute zittern, ob das Treffen überhaupt zustande kommt, so haben Verabredungen an Wert verloren. Es ist leider keine Seltenheit mehr, dass man kurz vor dem vereinbarten Treffen eine Nachricht mit dem Inhalt „Sorry, ich kann doch nicht“ bekommt oder derjenige sich eine halbe Stunde verspätet. Und ich finde es absolut unmöglich – es sei denn, derjenige wurde angefahren, sein Hund liegt im Sterben oder er wurde auf dem Weg zu unserem Treffpunkt entführt. Andernfalls würde ich gerne in die Zeit zurückreisen, in der man seinen Arsch noch hochbekommen hat, um sich um seine Lieben zu kümmern.

Taktlosigkeit

Ich mag Menschen, die ehrlich und direkt sagen, was sie denken. Also, eigentlich tue ich das. Ich finde es ganz erfrischend, wenn mir jemand nicht genau das sagt, was ich unbedingt hören will. Menschen dieser Sorte haben aber oftmals einen begleitenden Charakterzug, den ich weniger schön finde: Sie checken nicht, dass der Grat zwischen Direktheit und Taktlosigkeit ein verdammt schmaler ist. Und so passiert es häufig, dass sie einem ganz direkt und unverblümt Salz in die eh schon schmerzende Wunde streuen und nicht mal merken, wie verletzend das ist.

Ich habe, seitdem ich die Pille nicht mehr nehme, ein extremes Problem mit meiner Haut. Gerade im Kinnbereich neigt sie nun seit geraumer Zeit leider sehr stark zu Pickeln. Und es gibt einfach immer diese Menschen, die offenbar denken, dass ich nie in den Spiegel schaue, und immer wieder mit Kommentaren wie „Boah, deine Haut ist ganz schön schlecht geworden, du hast da ja einen Pickel nach dem anderen!“ ankommen. Newsflash, liebe Jenny, ich schaue jeden Tag in den Spiegel und nehme sogar schon verschreibungspflichtige, nicht gerade nebenwirkungsarme Medikamente dagegen – ich weiß, dass ich Akne habe, verdammt noch mal. Und auch, wenn du es dir nicht vorstellen kannst, ich leide selber schon genug darunter, also steck dir deine blöden Kommentare bitte dahin, wo du hoffentlich keine Pickel hast.

Vero hier, Vero da

Wer die letzten Tage nicht komplett hinterm Mond gelebt hat, hat es wahrscheinlich mitbekommen: Die neue App eines libanesischen Millionärs ist in aller Munde und wird als Nachfolger von Instagram gehandelt. Die einen lieben sie, die anderen hassen sie, aber eines haben sie alle gemeinsam – sie sprechen darüber und tun ihre Meinungen offen kund. Oftmals wird auch über die jeweils anderen Meinungen zum Thema hergezogen. Es geht ärger zu als nach jeder Präsidentschaftswahl.

Super, wie vielfältig sich die Bloggerszene gerade präsentiert. In den Bloggergruppen gibt es mittlerweile gefühlt 1242 Artikel zum Thema Vero, aber ja, bitte haut noch euren eigenen dazu, da stehen sicher ganz neue Ansätze drin, die die anderen 1241 Blogger vor euch noch nicht aufgegriffen haben. Lasst doch einfach alle die Apps benutzen, die sie benutzen wollen und a Ruh is. Wer einen Hype nicht gut findet, ist zum Glück nicht verpflichtet, mit dem Strom zu schwimmen.

Die Eigenarten eines Handyakkus bei Kälte

Bei der Kälte, die wir in den letzten Tagen ertragen mussten, spielen wir doch alle ein wenig verrückt. Am schlimmsten scheint es jedoch den Akku meines Handys zu treffen. Ich war am Freitag mit einer Freundin zum Essen verabredet und verließ das Haus mit 40 Prozent Akku. Als ich zehn Minuten später aus der U-Bahn ausstieg, waren es schon nur noch 22. Dann habe ich unter den gefühlt dreißig Ausgängen am Karlsplatz natürlich den falschen erwischt und wollte Google Maps konsultieren, um mich zum vereinbarten Treffpunkt zu geleiten – ich konnte gerade mal meine Zieladresse eingeben, schon sprang der Handyakku innerhalb von zwei Sekunden auf 0 Prozent und fuhr sich herunter. Und ich irrte wie eine Deppate in der Gegend herum. Als ich das Handy zuhause dann an die Steckdose anschloss, war der Akku wie durch ein Wunder halb voll. Und da sage noch jemand, ich sei launisch.

Nachdem ich mich gerade an meinem Tee verbrannt habe, bleibt mir nun nur noch, euch einen guten Start in die neue Woche zu wünschen. Ich habe nun einen hoffentlich halbwegs produktiven Tag vor mir und hoffe, euch geht’s genauso. Wir sehen uns nächste Woche wieder für mehr Mimimi!

Eure Julie,

Die mit dem roten Lippenstift

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6 Comments

  1. Barbara
    4 Monaten ago

    Liebe Julie!

    Bei Punkt 1 stimm ich dir unweigerlich zu. Bei Punkt 2 und 3 auch.Und Punkt 4 kenn ich auch zu gut. Also eigentlich hast du meine Gedanken gelesen und niedergeschrieben ? Danke dir für die allwöchentliche Erheiterung! Lg Barbara

    Reply
    1. Julie
      4 Monaten ago

      Danke liebe Barbara! Es freut mich, dass dir mein Mimimi-Montag gefällt 🙂
      Bis hoffentlich nächste Woche!
      LG Julie

      Reply
  2. Nicci Trallafitti
    4 Monaten ago

    Liebe Julie,
    wieder mal kann ich dir in allen Punkten nur nickend zustimmen.
    Menschliche Beziehungen haben glaube ich mittlerweile eh an Wert verloren, also so generell. Egal ob auf Partnerschaft oder Freundschaft bezogen, es wirkt, als wäre jeder austauschbar.
    Ich bin auch sehr direkt, habe aber eigentlich nicht das Gefühl taktlos zu sein, wenn dann pöbelig. 😀 Es macht aber auch zu viel Spaß. Dennoc glaube ich zu wissen wann es „gut ist“. Ich weiß auch gar nicht wann das dazu gekommen ist, dass JEDER MENSCH denkt, er müsse jedem seinen Senf unter die Nase reiben, statt einfach die Klappe zu halten oder sich einfach mit zu freuen. Statt „Oh cool, ich freue mich für dich“ hört man dann eher ein „Cool, aber ich hätte es auch gerne/wie gemein dass DU das schon hast“. Schön für dich, aber was soll ich machen?

    Liebe Grüße,
    Nicci

    Reply
    1. Julie
      4 Monaten ago

      Danke liebe Nicci!
      Die Entwicklung, die du beschreibst, sehe ich auch und es macht mich echt traurig. Jeder setzt seine Prioritäten mittlerweile von den Menschen weg, die eigentlich am wichtigsten sein sollten. Aber man kann leider nur mit gutem Beispiel vorangehen..
      Und es gibt zum Glück einen Unterschied zwischen „Ich mach mal einen Spaß“ und „Ich reib dir deine Unsicherheiten unter die Nase“ 😉 Und wenn du zumindest ein bissl ein Gespür dafür hast, was der andere ertragen kann, ist ja alles bestens 🙂
      Und das seh ich übrigens genau so. Ich hab oft das Gefühl, ich kann anderen gar nicht mehr erzählen, was gut gelaufen ist, weil es demjenigen missfallen könnte. Schade!

      Alles Liebe,
      Julie

      Reply
      1. Nicci Trallafitti
        4 Monaten ago

        Das versuche ich, bin aber leider müde geworden mittlerweile. Menschen stressen mich mit ihrer fordernden, egoistischen Art und Weise, sodass ich eigentlich am liebsten in einer einsamen Berghütte wohnen wollen würde 😀

        Jau, genau so ist es. Mitfreude ist Mangelware. In den Köpfen kommt direkt ein „aber was ist eigentlich mit mir?“.

        Reply
  3. Wiebi Peters
    4 Monaten ago

    Guten Morgen!

    Wie wahr, wie wahr … Ich habe das Thema „Absagen drei Sekunden vor Start“ erst am Samstag miterlebt. Der Freund einer sehr guten Freundin hat Geburtstag gefeiert und erzählt, dass im Laufe des Samstagmorgens/-nachmittags allen Ernstes 6(!!) Personen abgesagt haben. Zwei waren krank, ok. Zwei haben keinen Babysitter gefunden. Echt jetzt? Von den anderen zwei habe ich es schon wieder vergessen … Ich finde sowas schade, obwohl ich zugeben muss, dass ich mich auch schon das ein oder andere Mal dabei erwischt habe bei dem Gedanken, doch lieber auf dem Sofa zu bleiben als irgendwo hinzugehen. Doch in dem Moment, in dem man die andere Person trifft, ist man total froh, aus dem Haus gegangen zu sein. Oder geht das nur mir so?

    Liebste Grüße,
    Wiebi

    Reply

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