In Work & Study

Die gefürchtete Schreibblockade

Neben dem allseits bekannten und gefürchteten Männerschnupfen ist die Schreibblockade wohl meine am meisten gefürchtete Krankheit. Der kleine aber feine Unterschied zwischen diesen beiden unangenehmen Krankheiten ist allerdings, dass ich aufgrund der Zusammensetzung meiner Heterosomen keinen Männerschnupfen bekommen kann und der mich daher nur passiv beeinträchtigt. Das allerdings so sehr, dass ich am liebsten gleich mitsterben möchte, wenn einer der Männer in meiner Umgebung (aka mein Stiefpapi) vor sich hin leidet. Geteiltes Leid ist ja bekanntlich halbes Leid. Nicht so bei Schreibblockaden. Die sind stets auf eine Person beschränkt und nicht ansteckend. Wobei es bei uns in der Redaktion auch schon mal vorkam, dass an einem Tag alle nicht schreiben konnten.

„Heute läuft etwas ganz gewaltig schief“, hieß es dann. Dieser Satz bedeutet: Die kollektive Schreibblockade ist ausgebrochen, rette sich, wer kann! Kann natürlich niemand. Meistens geht das Problem dann auch erst am nächsten Tag wieder weg. Dass das geklappt hat, schiebe ich auf die gemeinsame Betroffenheit. Tante Wiki definiert Schreibblockade nämlich so:

„Eine Schreibblockade ist ein psychisches Phänomen, bei dessen Auftreten die Autoren dauerhaft oder vorübergehend nicht in der Lage sind zu schreiben. Darunter leiden besonders Schriftsteller, Journalisten und Studierende beim Schreiben von Haus- und Examensarbeiten.“

Geil, ich gehöre zu allen drei Hauptrisikogruppen gleichzeitig. Ergo bin ich dreifach gefährdet, zum Opfer zu werden. Ich stehe quasi in allen Bereichen meines Lebens voll in der Schusslinie. Da ich schon in der Schule beim Völkerballspielen sehr schlecht im Ausweichen war, trifft es mich auch entsprechend häufig. Zum Beispiel jetzt. Ich habe gerade gezwungenermaßen mehrere Tage Laptopentzug hinter mir und verbringe jetzt zum ersten Mal, seit mein Vater das Teil repariert hat, wieder Zeit mit meinem Schatz. Und wie das meist so ist mit Beziehungspausen, fällt man am Ende entweder total leidenschaftlich übereinander her, weil man sich so vermisst hat, oder es ist erst mal komisch, obwohl man einander vermisst hat. Als ich mein liebstes Schreibgerät im Laptopkrankenhaus ablieferte, malte ich mir unsere Wiedervereinigung in allen möglichen Farben aus. Ich stellte mir vor, wie er mir danach gesund und munter wieder in die Arme fallen würde, wie ich sofort mein geliebtes Wordprogramm öffnen und voller Inspiration drauflos tippen würde. Stattdessen lachte mir mein Laptop fies ins Gesicht und sagte: „Ne, das geht mir jetzt viel zu schnell, ich muss erst wieder Vertrauen zu dir aufbauen. Ich glaube, wir sollten das mit uns lieber langsam angehen lassen.“

Was macht man dann? Richtig, man schreibt darüber. Ist ja auch nur logisch.

Während ich diese Zeilen in der Stille meiner Wohnung tippe, möchte ich mir selbst am liebsten die flache Hand auf die Stirn schlagen, weil ich meine Geheimwaffe vergessen habe. Gut, jetzt dröhnt immerhin Schrei von Tokio Hotel aus dem Lautsprecher. Sofort fühle ich mich meinem Laptop wieder ein Stückchen mehr verbunden, weil er jetzt quasi die Stimme meines zukünftigen Ehemanns trägt. Ich glaube, ich sollte auch mal einen Blogpost zum Thema Erwachsenwerden verfassen. Jedenfalls möchte ich auch am liebsten schreien, weshalb ich mich Bill heute besonders verbunden fühle. Für diese Seite habe ich ungewöhnlich lange gebraucht, weil ich dazwischen immer wieder mal eine SMS schreibe, Facebook und Instagram checke oder mir eine neue Tasse Tee mache, die schon wieder leer ist. Ich sollte mir noch einen Tee machen.

So, ich habe wieder einen dampfenden Becher neben mir stehen. Super. Ich friere nämlich schon wieder, obwohl ich gerade ein kurzes Homeworkout absolviert habe, damit der Kopf wieder ein wenig freier wird. Zufällig habe ich nämlich in der Küche ein paar Hanteln gefunden. Was auch immer die in der Küche zu suchen hatten. Dachten sich wahrscheinlich so etwas wie: Wer trainiert, muss auch essen. Mir war nur neu, dass das auf Hanteln inzwischen auch schon zutrifft. Apropos essen, ich könnte doch… Nein, jetzt bleibe ich mal diszipliniert sitzen. Immerhin habe ich vor zwei Stunden einen Döner gegessen und stinke immer noch. In solchen Momenten weiß ich das Singleleben immer sehr zu schätzen. Außerdem fahre ich nach ausgiebigem Knoblauchgenuss immer sehr gerne mit öffentlichen Verkehrsmitteln und atme absichtlich durch den Mund, wenn jemand mal wieder die Wichtigkeit eines gewissen Mindestabstands missachtet. Ja, auch ich habe meine asozialen Tage. Heute allerdings nicht. Heute ist höchstens mein eigenes Hirn asozial mir gegenüber. Aber immerhin ist meine Küche jetzt wieder perfekt sauber, also hat es wohl etwas Gutes. Mein Zimmer könnte auch mal wieder eine Grundreinigung vertragen. Aber eigentlich wollte ich ja schreiben.

Kann ich aber irgendwie nicht. Wenn nicht mal mehr Tokio Hotel gegen eine Blockade hilft, weiß ich, es ist ernst. In solchen Momenten fühle ich mich wenig lebensfähig. Dann kann ich zwar die grundsätzlich lebenswichtigen Dinge wie essen, laufen, pinkeln, das Volumen der Sonne berechnen und Stunden in Social Networks vertrödeln, aber es bleibt doch ein unangenehmer Nachgeschmack. Gut, der könnte in meinem heutigen Fall auch vom Döner kommen.

So, und nun weiß ich nicht weiter. Ich wollte noch einen unglaublich spritzigen Satz anfügen, der die Situation noch ein wenig abgerundet hätte, aber abgesehen davon, dass ich den Vergleich mit dem Döner schon sehr anschaulich formuliert finde, ist mein Hirn wie leergefegt. Ich fühle mich wie eine Pianistin, deren Gehör versagt hat und leider bin ich nicht das schriftstellerische Pendant zu Ludwig van Beethoven, der trotz Taubheit immer noch in der Lage war, traumhafte Symphonien zu komponieren. Auch, wenn ich das unheimlich praktisch fände. Vielleicht sollte ich mir ein Beispiel an den Menschen nehmen, die auch mit leerem Kopf sprechen können, von denen gibt es immerhin ziemlich viele. Leider deckt sich dieses Vorhaben nicht ganz mit meinen schriftstellerischen und moralischen Werten. Also werde ich nun das einzig Vernünftige machen und sowohl meinem Hirn, als auch meinem Laptop die Zeit geben, die sie brauchen, um sich wieder anzunähern. In der Zeit kann ich ja mein Zimmer putzen.

Eure Julie,

Die mit dem roten Lippenstift

 

Share Tweet Pin It +1

You may also like

Vorsicht mit der Autotür!

Posted on 2. April 2018

Previous PostDrama, Baby!
Next PostZeichen gibt's genug, wir brauchen Wunder

10 Comments

  1. Dampfbloque
    3 Jahren ago

    Aber trotz oder gerade wegen einer Schreibblockade gibt es immer etwas, worüber geschrieben werden kann. Kann das aber gut nachfühlen. Die letzten Wochen sind sehr uninspiriert bei mir.

    Reply
    1. diemitdemrotenlippenstift
      3 Jahren ago

      Das stimmt. Von daher auch der Blogpost. Aber ich muss zugeben, dass ich für den jetzt richtig lange gebraucht habe. Ich hoffe das geht bald vorbei bei uns beiden

      Reply
      1. Dampfbloque
        3 Jahren ago

        Heute und gestern geht es, weshalb ich gerade für die kommende Woche vorschreibe.

        Reply
        1. diemitdemrotenlippenstift
          3 Jahren ago

          Dann schreib mal fleißig 🙂 viel Erfolg, ich freu mich schon auf deine nächsten Posts!

          Reply
  2. derhilden
    3 Jahren ago

    Schreibblockade ist echt furchtbar, ich fühle mit dir! :/ Aber dennoch hast du aus dieser Phase einen sehr unterhaltsamen Text gemacht, Respekt!

    Den Auszug aus dem Wikipediaartikel fand ich toll! 😀 Die Tatsache, dass Schreibende am meisten unter Schreibblockade leiden ist ja eine ähnlich bahnbrechende Erkenntnis wie die Aussage, dass Brillenbesitzer am häufigsten mit schmutzigen Brillengläsern zu kämpfen haben.

    Reply
    1. diemitdemrotenlippenstift
      3 Jahren ago

      Danke dir 🙂

      Der Vergleich mit den Brillen war so ziemlich das unterhaltsamste, das ich heute gelesen habe 😀 Danke für den Lachkrampf des Tages 😀

      Reply
      1. derhilden
        3 Jahren ago

        Haha, kein Problem, für den Servicr bin ich immer da. 😀

        Reply
  3. jackyswelt
    3 Jahren ago

    Das mit dem Völkerballspielen ist mir durchaus auch sehr bekannt. 😀
    Aber manchmal tut es auch gut den geliebten Laptop ein paar Tage nicht bei sich zu haben, finde ich zumindest. Und ich finde Schreibblockkaden genauso doof wie du, und wie die die schon vor mir hier kommentiert haben, aber wie alles im Leben hat auch dies ein Ende.. 😉 Zum Glück!
    Fand deinen Beitrag trotzdem höchst amüsant, einfach weil du die gleichen Vorteile des Singlelebens siehst wie ich 😀 Gute besserung ! :* 😉

    Reply
    1. diemitdemrotenlippenstift
      3 Jahren ago

      Ja paar Tage Entzug Schaden nicht, aber wenn dann muss das freiwillig sein finde ich. Sonst ists einfach nur traurig 😀
      Hah ja, Knoblauch und Zwiebeln sind meine Lieblingsgründe um Single zu sein 😀

      Reply
      1. jackyswelt
        3 Jahren ago

        jaa.. es deprimiert schon. 😀

        Reply

Leave a Reply