In Work & Study

Wie ich meinen Traum verwirklichte

 

„Ich würde auch so gern Journalistin werden. Aber wie werde ich das? Braucht man da eine spezielle Ausbildung? Was muss man mitbringen?“ Solche Fragen höre ich sehr oft im Zusammenhang mit meinem Beruf. Ich denke, es ist Zeit, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen.

Ich kann natürlich nur ausführlich über meinen eigenen Weg berichten, tatsächlich gibt es viele Menschen, die es auf andere Arten und Weisen geschafft haben, Journalisten zu werden. Einige Journalisten, zu denen ich Kontakte geknüpft habe, hatten die Möglichkeiten, die ich hatte, noch nicht, und trotzdem haben sie es geschafft, also seid unbesorgt. Da ich ein paar ihrer Geschichten gehört und von ihnen auch Tipps bekommen habe, werde ich die natürlich gerne an euch weitergeben.

Studium? Ja oder nein?

Eines vorweg: Nein, ich habe nicht studiert. Wobei, das stimmt so nicht. Ich studiere sehr wohl, aber nichts, das mit Journalismus zu tun hat. Meine Studienfächer sind nämlich, wer hätte das gedacht, Wirtschaftswissenschaften und Anglistik. Ja, ich weiß, Wirtschaft hätte hier wahrscheinlich niemand, der mich nicht persönlich kennt, vermutet. Auch die Menschen, die mich kennen, sind immer wieder überrascht von meiner Studienwahl und fragen mich, warum ich nicht etwas lerne, das mir mehr Spaß macht, wie eben beispielsweise Journalismus. Nun ja, der Hauptgrund, warum ich kein Publizistikstudium begonnen habe, war der, dass dieser Studiengang in meiner Stadt nicht angeboten wird. Auf Wien hatte ich keine Lust, München war mir zu teuer und Berlin… naja, das war mir irgendwie noch zu weit weg und ich war mit meinen jungen 18 Jahren noch nicht bereit für diesen Schritt. Jetzt wäre ich es zwar, aber ich würde mich höchstwahrscheinlich trotzdem nicht für ein Publizistikstudium einschreiben. Weder in Wien, noch in München, noch in Berlin, noch irgendwo anders.
Es gibt da so ein paar nette Sätze im Zusammenhang mit Publizistikstudenten. Der gängigste ist zweifellos: „Wenn man Publizistik studiert, darf man es dann als Berufserfahrung angeben, wenn man schon während des Studiums nicht gearbeitet hat?“ Das ist sicher eine leicht übertriebene Darstellung, aber gar nicht so weit hergeholt. Tut mir leid, wenn ich jetzt einige Träume zerstöre, aber es ist und bleibt ein Mythos, dass sich Medienhäuser um Publizistikabsolventen prügeln. Tatsächlich hat kaum einer der Journalisten, die ich kennenlernen durfte, etwas in die Richtung studiert. Versteht mich nicht falsch, ich will niemandem das Studium ausreden, keinesfalls. Wenn ihr Bock auf das Studium habt, macht es! Unbedingt! Ich bin absolut für lebenslanges Lernen und werde wahrscheinlich, wie meine liebe Mama, mit 40 eine Liste an Titeln haben, die länger ist als mein Name, weil ich einfach nicht aufhören könnte zu studieren. Der Hauptgrund, weshalb ich kein Studium in die Richtung einschlagen würde, ist folgender Satz, den ich von einem meiner, ich nenne es mal liebevoll „Mentoren“, mit auf den Weg bekommen habe: „Ein Kommunikationswissenschaftler ist vergleichbar mit einem Ornithologen. Ein Ornithologe weiß alles über Vögel, aber deshalb kann er noch lange nicht fliegen.“ Soll heißen: Kommunikationswissenschaftler kennen sich in der Theorie bestens aus, aber sind dafür von der Praxis häufig überfordert. Und da ich die Praxis nun kenne, fürchte ich, dass mich die Theorie unheimlich enttäuschen würde.

Mein Weg zum Journalismus

So viel zum Thema Studium. Das musste ich jetzt abbrechen, sonst wird dieser Blogpost noch drei Seiten lang und ich hätte keine Leser mehr. Ich will euch jetzt ein bisschen was darüber erzählen, wie ich persönlich meinen Weg in den Journalismus gefunden habe. Und hier kommt auch schon der Punkt, an dem ich euch sagen will: Verzweifelt nicht, wenn ihr solche Möglichkeiten nicht habt! Es gibt sehr viele andere Wege in den Journalismus und das ist gut so! Es wurde mir nämlich tatsächlich sehr leicht gemacht. Bei uns gibt es nämlich eine kleine Organisation namens Journalismusakademie. Das klingt jetzt größer, als man sich das vorstellt, denn das Ganze geht nur einen Monat lang und in einem Jahrgang sind höchstens zwölf Personen. Letztes Jahr war ich eine davon. Das Auswahlverfahren ging von einem Bewerbungsschreiben über ein Assessment Center bestehend aus einem Allgemeinwissenstest und einem geschriebenen Kommentar bis hin zum persönlichen Gespräch. Ich wollte es, ich hab mich durchgeboxt, und bekam dann an meinem Geburtstag den Bescheid: Ja, du bist dabei.

In den fünf Wochen, über die diese Journalismusakademie ging, konnten wir in so ziemlich alle Bereiche reinschnuppern, die es im Journalismus gibt – über Tageszeitungen, Magazine, Öffentlichkeitsarbeit, Radio bis hin zum Fernsehen. Natürlich gab es auch theoretische Kurse wie Medienethik und Medienrecht. Am Ende wurden dann Praktikumsstrecken an die vier besten verteilt.

Das klingt jetzt alles erst mal toll und das ist es auch, aber ich will euch nichts vormachen, denn tatsächlich hat mir diese Ausbildung den Spaß am Journalismus und am Schreiben erst mal genommen. Ich hatte nämlich das Gefühl, dass alle anderen, die mit mir Tag für Tag in diesem Raum saßen, einfach besser waren als ich. Ich wurde immer kritischer, was meinen Schreibstil betrifft, und passte mich mehr und mehr an, bis ich schließlich meinen eigenen Stil und die Freude am Schreiben komplett verlor. Tatsächlich war ich nach den fünf Wochen froh, als es vorbei war, und ich war auch irgendwie erleichtert, nicht zu den vier besten zu gehören. Nachdem die Journalismusakademie vorbei war, fasste ich einen Monat lang keine einzige Zeitung mehr an und drehte die Fernsehnachrichten ab, sobald ich die Melodie hörte. Ich wollte nichts mehr davon wissen.

Anfang diesen Jahres jedoch kam der entscheidende Anruf. Ich war gerade dabei, mich nach einer Operation das erste Mal wieder an eine Joggingrunde zu wagen, als ich einen Anruf bekam. Es war oben bereits genannter Mentor, der eigentlich Koordinator der Journalismusakademie war.

„Liebe Julia, ich rufe Sie an, weil eine unserer Praktikantinnen abgesprungen ist und da wir einen Nachfolger brauchen, hätte ich an Sie gedacht“, tönte seine fröhliche Stimme aus dem Lautsprecher. „Ähm… hyperventilieren Sie gerade?“

„Nein, keine Sorge, Sie haben mich nur beim Joggen erwischt“, keuchte ich in den Hörer. Tatsächlich hatte ich gerade erst angefangen zu laufen, meine Form war also wirklich… naja, nicht mehr vorhanden. „Aber ich weiß nicht so recht, immerhin ist mir die Freude an der trockenen Berichterstattung ziemlich vergangen.“

„Es wäre keinesfalls trocken, es ist im Magazinjournalismus…“

„Ich bin dabei, wann kann ich anfangen?“


Ich trat meinen jetzigen Job exakt fünf Tage später an und habe es keine Sekunde bereut. Die lange Pause vom Journalismus hat mir gut getan, denn ich konnte diese Zeit nutzen, um meinen eigenen Stil wiederzufinden, der jetzt im Magazinbereich, glaube ich, gar nicht mal so schlecht ankommt. Da dieser Post sonst ewig lang wird, breche ich hier ab und mache morgen weiter mit generellen Tipps für ambitionierte Journalismuseinsteiger.

Wir lesen uns,

Eure Julie,

Die mit dem roten Lippenstift

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Posted on 15. Februar 2018

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6 Comments

  1. Mein-Name-Sei-MAMA
    4 Jahren ago

    Hallo!
    Mir gefällt dein Blog sehr gut. Er ist interessant und bringt mich zum Schmunzeln.
    Ich habe dich für den „Liebster Award“ nominiert. Machst du mit? Den Link findest du hier:
    http://meinnameseimama.com/2016/02/29/liebster-award/
    Liebe Grüße, M. MAMA

    Reply
    1. diemitdemrotenlippenstift
      4 Jahren ago

      Hallo,
      Danke das freut mich sehr! Da werde ich mich die tage gerne mal ran setzen 🙂
      LG Julie

      Reply
  2. Vivien
    4 Jahren ago

    Hach, ich lese deine Posts total gerne. Sie lassen sich einfach super flüssig lesen und du schreibst so locker. Dein Schreibstil gefällt mir sehr. Und ich bin da eigentlich sehr kritisch! ?

    Reply
    1. diemitdemrotenlippenstift
      4 Jahren ago

      Oh danke vivi, das freut mich so 🙂 ist immer ein großes Kompliment von kritischen Menschen 😉

      Reply
  3. Backstage: "Die Tagespresse" Österreichs seriöseste Online Zeitung
    3 Jahren ago

    […] Fritz im Rahmen der jährlichen Exkursionen der Journalismusakademie kennenlernen, von der ich euch bereits erzählt habe. Letztes Jahr ging es nach Brüssel, dieses Mal ging es nach Wien. Auch, wenn ich bekanntlich nicht […]

    Reply
  4. Wie man Fernsehbeiträge NICHT macht - diemitdemrotenlippenstift
    3 Jahren ago

    […] ich bereits in einem früheren Beitrag erwähnt habe, habe ich eine Ausbildung zur Journalistin gemacht. In dieser Ausbildung wurden so ziemlich alle Bereiche des Journalismus abgedeckt – von […]

    Reply

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