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Du gehst nicht aus? Ist ja fad!

Lange habe ich keinen Mimimi-Montag mehr veranstaltet. Ich habe festgestellt, dass man sein gesamtes Pulver ziemlich schnell verschießt, wenn man beschließt, sich jede Woche über irgendwelche Dinge aufzuregen. Also verzeiht mir bitte, dass es mein berühmtes Mimimi nun in größeren Abständen gibt! Ich gelobe Besserung, möchte aber nichts versprechen, was ich nicht halten kann. Ups, bevor ich nun schon meinen ersten Punkt vorwegnehme, lasst mich euch herzlich willkommen heißen. Zu unserem Hassformat, das wir alle lieben.

 

Zusagen, die nicht eingehalten werden

„Oh, du schmeißt eine Party? Danke für die Einladung, da bin ich natürlich dabei, das wird sicher super!“, sagte mein Kumpel Richie erfreut, als ich ihm erzählte, wann ich meinen Geburtstag zu feiern gedachte. Ich freute mich, denn wir hatten uns schon länger nicht gesehen. Also war die Vorfreude auf meine Party natürlich umso größer. Und dann war der große Abend endlich da und wer fehlte? Richtig. Richie. Ohne Absage, ohne eine Entschuldigung. Super, danke. Ein paar Tage später kam eine Reaktion von ihm: „Entschuldige bitte, ich habe deine Party komplett vergessen.“

Ach, würde Facebook einen doch alle paar Stunden daran erinnern, dass man bei einer Veranstaltung auf „Zusagen“ geklickt hat… Oh, stimmt, genau das tut Facebook. Und selbst wenn nicht, ein bisschen Erinnerungsleistung darf man sich selbst in der heutigen Zeit doch wohl erwarten, oder? Aber vielleicht bist du einfach nur ein Arsch? Naja, zumindest weiß ich nun, wen ich zu meiner nächsten Party definitiv nicht einladen werde.

 

„Wie, du bist zuhause? Ist ja fad“

Eigentlich dachte ich, mittlerweile sei ich aus dem Alter raus, in dem man als langweilig bezeichnet wird, wenn man seine Abende gerne zuhause verbringt. Ich dachte, nun sei ich endlich in einem Alter, in dem mein Granny-Lifestyle salonfähig ist. Aber ich habe mich offensichtlich getäuscht.

Ich wurde letztens (und mit letztens meine ich vorgestern) gefragt, wo ich unterwegs sei. Verwundert antwortete ich: „Ähm, zuhause?“ und bekam sogleich die äußerst schmeichelhafte Antwort: „Faaaad!“ zurück.

Wie bitte? Hast du gerade meinen Plan, in Unterhose und übergroßem Shirt auf der Chaiselongue zu sitzen, ein Glas Wein zu trinken und vier Folgen The Royals zu schauen als langweilig bezeichnet?

Newsflash, lieber Chris, es gibt Menschen, die gehen nicht gerne aus, und zu denen gehöre ich. Punkt. Ich habe mittlerweile akzeptiert, dass ich einfach so bin und das auch nicht ändern muss, aber es gibt Menschen, die mit ihrer Introversion nicht besonders selbstbewusst umgehen und bei denen eine solche Nachricht ernsthafte Probleme mit dem Selbstwertgefühl mit sich ziehen könnte. Also bitte einfach erwachsen werden und akzeptieren, dass unsere Vorstellungen von einem gelungenen Abend weit auseinandergehen.

Abgesehen davon: Warum zahlst du überhaupt Miete, wenn du eh nie zuhause bist?

 

Gruslige Nachbarn

Es mag seltsam anmuten, dass gerade ich, die am Tag ihres Einzugs ernsthaft darüber nachgedacht hat, ihrem feschen Nachbarn eine Postkarte zu schicken, sich über creepy Nachbarn beschwert. Lange Zeit wurde ich auch von ihnen verschont. Seit die Tage wieder länger werden, wird allerdings die Wohnung gegenüber renoviert. Das ist ja an sich nichts Schlimmes. Sollen sie renovieren, könnte mich an sich nicht weniger tangieren.

Nur renovieren die neuen Nachbarn allerdings nicht wie normale Menschen. Nein, sie renovieren diese Wohnung bevorzugt mitten in der Nacht. Das an sich würde meine Ruhezone ja noch nicht mal stören. Bin ja zum Glück nicht im selben Haus, bekomme also nichts mit vom Lärm.

Nur haben sie noch dazu die Angewohnheit, mitten im Renovierungsprozess das Licht auszudrehen und sich vors Fenster zu stellen – mit voll aufgedrehter Handytaschenlampe, mit der sie dann minutenlang ohne jegliche Bewegung in meine Richtung leuchten. Ich weiß ja nicht, ob das eine Art Meditationsübung ist. Ist mir auch egal. Ich find’s einfach nur gruslig.

 

Ein weiterer Montag neigt sich dem Ende zu und ich habe ganz vergessen, wie schön es sein kann, sich hin und wieder mal über gewisse Dinge auszukotzen. Ab jetzt werde ich mich im Alltag wieder vermehrt auf die kleinen, negativen Dinge fokussieren, damit ich euch wieder mehr berichten kann.

 

Eure Julie,

Die mit dem roten Lippenstift

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