In Mimimi-Montag

Stop Skinshaming! – der Mimimi-Montag

Stop Skinshaming

Es ist Sonntag und es ist der Inbegriff eines Scheißtags. Ich bin extra früh aufgestanden, um extra früh nach Wien zu fahren, um den für heute angekündigten strahlenden Sommertag zu genießen, nachdem uns davon ja wahrscheinlich nicht mehr viele übrig bleiben. Und was passierte? Der Zug hatte eine Stunde Verspätung, obwohl wir die ganze Zeit durchgefahren sind, und in Wien begrüßte mich statt strahlend blauem Himmel eine absolut nicht strahlende, fette Wolkendecke. Aber Hauptsache 36 Grad in der klimatisierten U-Bahn. Wien, du hast verkackt.

Als wäre das nicht genug, habe ich einen Sonnenbrand auf der Nase, fettige Haut, noch fettigere Haare und keinen BH an. Das Gesetz besagt, dass man in diesem Moment eigentlich einen potenziell bumsbaren Bekannten treffen müsste, für den man in ebendieser Sekunde für immer unbumsbar wird. Zumindest ist das nicht passiert. Das ist aber auch das einzig Positive, das ich über diesen Tag sagen kann. Ach ja, etwas Erfreuliches gibt es doch: Der Mimimi-Montag feiert sein Comeback. Willkommen!

 

Das drohende Sommerende

Ja, ich muss mich gleich zu Beginn über das Wetter aufregen. Des Wieners liebste Aufgabe ist es ja, immer und überall über das Wetter zu sudern. Im Sommer habe ich mich da ganz vornehm zurückgehalten (außer in dieser seltsamen Juli-Kältewelle, die da absolut nicht hingehört hat), aber jetzt kann ich nicht mehr. Ich bin noch nicht bereit für die acht Monate Winter, die uns jetzt bald blühen.

Und schon gar nicht bin ich bereit für all die Menschen, die das auch noch abfeiern, dass es bald statt Wassermelone und Nektarinen nur noch Kartoffeln, Kürbisse und Steine zu essen gibt. Ich meine, es ist gerade mal September und ich kann jetzt schon keine verfickten Kürbisse mehr sehen. Spätestens im Oktober wird es mich all meine Selbstbeherrschung kosten, nicht jede dahergelaufene Insta-Tussi in ihrem Pumpkin Spice Latte zu ertränken.

Hach, was bin ich heute wieder nah am Winterdomizil auf den Malediven gebaut …

 

Menschen, die nicht nachdenken, bevor sie eine Frage stellen

Diese Spezies von Menschen kennen wir doch alle. Man kommt von einem Tag auf den anderen mit roten anstatt blonden Haaren ins Büro und schon kommt die Frage aller Fragen: „Hast du dir die Haare gefärbt?“ Nein, ich bin aufgewacht und dann waren sie plötzlich so.

In letzter Zeit habe ich das Gefühl, diesen Menschen überdurchschnittlich oft zu begegnen. Und zwar passen diese Menschen auch immer Zeitpunkte ab, in denen ich eh schon nicht gut drauf bin.

Letztens war ich auf einer Feier eingeladen und mir war kalt, weil wir draußen saßen, ich relativ dünn angezogen war und es für eine Sommernacht arschkalt war. Und dann prasselten die dummen „Ist dir kalt?“-Fragen auf mich ein.

Nein, Susanne! Ich sitze mit drei Decken unter dem verfickten Heizstrahler, weil ich finde, dass das meine Persönlichkeit so toll unterstreicht! Ich bin einfach so heiß, da will ich auch entsprechend schwitzen.

Ja, wahrscheinlich hat die liebe Susanne das nur nett gemeint und bla bla bla. Aber kleiner Tipp: Wenn man einem offensichtlich frierenden Menschen etwas Gutes tun will, einfach eine Decke oder einen Tee anbieten, anstatt blöd zu fragen. Den Tipp kann man sich übrigens auch für den Winter merken, falls man mal einen Obdachlosen sieht.

 

Menschen, die sich über deine Ängste lustig machen

Ich habe eine Phobie, die nur sehr wenige Menschen nachvollziehen können: Frösche. Ich habe tatsächlich Angst vor so an sich harmlosen Tieren wie Fröschen. Und das sorgt bei diversen Kackbratzen immer wieder für Amüsement.

Gerade letztens habe ich eine unfreiwillige Konfrontationstherapie erlebt. Ich lag gemütlich und nichtsahnend an der Donau, und plötzlich hörte ich so ein dumpfes Geräusch, als würde etwas in meiner Nähe auf dem Boden aufschlagen. Ich schlug die Augen auf und sah, nur wenige Zentimeter von meinem Handtuch entfernt, einen Frosch Richtung Wasser hüpfen.

Ich wollte schreien, aber ich war wie gelähmt. Und wie gelähmt saß ich danach auch über zwanzig Minuten auf meinem Handtuch und war unfähig, eine Bewegung durchzuführen, die über unkontrolliertes Zittern hinausging.

Was für mich einem Herzinfarkt gleichkommt, ist für viele Menschen ein wahrer Schenkelklopfer.

„Warum hast du denn Angst vor Fröschen? Die tun dir doch nichts!“

Ja, Gerda. Und wenn ich dir nur ein Messer an den Hals halte, tu ich dir im Wesentlichen auch nichts. Und bleibst du dabei entspannt? Nein? Gut. Ich hoffe, du pisst dir vor Angst in deine hässliche Öko-Hose.

 

Skinshaming

Ich liebe ja den Sommer, aber eine Sache geht mir daran unglaublich auf den Sack. Thema Hautfarbe. Es gibt im Wesentlichen zwei Arten von Menschen: Die, die sich mit LSF 50 eincremen und trotzdem nach zehn Minuten einen Sonnenbrand bekommen. Und die, die ungeschützt drei Stunden in der prallen Sonne liegen können und danach einfach nur knallbraun sind.

Ich bin irgendwas dazwischen. Ich kann mit mittlerem Lichtschutzfaktor durchaus lange in der Sonne liegen, ohne einen Sonnenbrand zu bekommen, aber selbst nach zwei Stunden brutzeln in der Mittagssonne sieht man nur eine marginale Veränderung meines Teints. Und das nehmen Menschen des zweiten Typs gern zum Anlass, um sich darüber auszulassen. Sommer ist die Zeit des umgekehrten Rassismus: Die Dunkelhäutigen diskriminieren plötzlich die Weißen.

„Man sieht aber nichts davon, dass du in der Sonne warst. Ein bisschen mehr Sonne täte dir gut. Vielleicht ein bisschen weniger Sonnencreme, dann wirst du auch endlich mal braun.“

Danke für deine wertvollen Beiträge, Markus. Ich erinnere dich daran, wenn du mit 35 aussiehst wie 60. Und wenn du mit 40 dein erstes bösartiges Melanom hast, werde ich dir zur Seite stehen und sagen: „Na sieh’s mal so, Markus: Du verreckst zwar jetzt an Hautkrebs, aber immerhin warst du in deinen Zwanzigern schön braun.“

 

So, ein wiederauferstandener Mimimi-Montag geht zu Ende. Ich habe ihn an einem Scheißtag mit viel Wut im Bauch geschrieben und ich hoffe, das kam auch genau so rüber. Ich wünsche euch allen, dass eure Woche besser wird als mein Sonntag!

 

Eure Julie,

die mit dem roten Lippenstift

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4 Comments

  1. Beste Chefin
    3 Monaten ago

    I feel you – abgesehen vom Wetter natürlich! 😛
    Vor allem das mit deiner Frosch-Angst kann ich nachvollziehen.. ich habs mit Insekten und mich kotzen Menschen einfach an die sich darüber lustig machen.. Was geht in denen vor? I do not know..

    Reply
    1. Julie
      2 Monaten ago

      Hach ja, über den Winter werden wir uns bei aller Liebe wohl nie einig 😉
      Ja, das sind halt einfach Idioten – manchmal kann man es nicht anders ausdrücken!

      Reply
  2. Alinskaja
    2 Monaten ago

    Dein Post hat meinen Tag dafür umso schöner gemacht! Falls dich das tröstet, haha.

    Ich hoffe, es werden noch viele dieser Mimimi-Beiträge folgen, weil sie mich irgendwie immer amüsieren. Nicht, weil ich dich damit auslachen will, ganz im Gegenteil. Deine beschriebenen Situationen kenne ich nur zu gut und ich kann mich sehr in dich hineinversetzen, wie dich das aufregt. Abgesehen von deinem Hass auf die Wintermonate, die liebe ich nämlich, ups!

    Braun werden ist auch in meinem sozialen Umfeld im Sommer irgendwie oft Thema nr.1 und mich regt es jedes Mal auf. Ich habe nichts dagegen, wenn ich in der Sonne (EINGECREMT!) liege und dann am Ende des Tages feststelle, dass mein Gesicht doch brauner ist als vorher. Aber die Leute, die vor dem Spiegel stehen und stundenlang ihre Badeanzugabdrücke betrachten und mich fragen, ob sie brauner sind als vorher, die würde ich am liebsten in ein Bad voll Sonnencreme schmeißen, haha.

    Liebste Grüße!

    Reply
    1. Julie
      2 Monaten ago

      Oh, das freut mich voll, danke dir! 🙂
      Und ich schreibe diese Beiträge auch supergern, also ich kann dir versichern, so bald wird der Mimimi-Montag nicht eingestellt 😉
      Ja, diesen Leuten schicke ich dann immer gern eine Infobroschüre zum Thema Hautkrebs haha.
      Liebe Grüße!

      Reply

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