In Mimimi-Montag

Warum ich Speditionen hasse

Wer hat denn da an der Uhr gedreht? Verdammt, schon wieder Montag. Und was für einer. Das Chaos hat mich heute voll im Griff. Ich bin schon mit dem falschen Fuß aufgestanden, weil ich von einem unangenehmen Anruf geweckt wurde. Bin dann mit Wut im Bauch in Rekordzeit fünf Kilometer gelaufen und seitdem streikt mein Kreislauf und ich sitze mit Kopfschmerzen auf dem Sofa. Miese Voraussetzungen für einen guten Wochenstart, aber beste Voraussetzungen für unser Hassformat, das wir alle lieben! Willkommen zum Mimimi-Montag!

 

Nervige Telefonwarteschleifen und Autoresponder

Von diesen kann ich euch gerade nicht nur ein Liedchen singen, sondern ganze Symphonien komponieren. Letzte Woche hing ich nämlich einige Male in der Warteschleife von UPS. Es geht schon wunderbar los, indem eine monotone Frauenstimme „Für weitere Infos zu unseren Datenschutzbeauftrachten konsultieren Sie bitte unsere Website“ in den Hörer näselt. Aber viel schöner ist der Autoresponder, der danach kommt.

„Sagen Sie mir bitte Ihre Telefonnummer inklusive der Ortsvorwahl Ziffer für Ziffer.“

„0043 blabla…“, sage ich also brav und deutlich in den Hörer.

„Lassen Sie mich das bestätigen. Ihre Telefonnummer lautet also 09…“

„Nein“, unterbreche ich sie.

„Entschuldigung. Mein Fehler. Bitte wiederholen Sie Ihre Telefonnummer inklusive Ortsvorwahl Ziffer für Ziffer“

Das gleiche nochmal, nur dass ich diesmal betont deutlich spreche.

„Lassen Sie mich das bestätigen. Ihre Telefonnummer lautet also 01…“

„Nein, Deppate!“, unterbreche ich sie wieder.

„Wieder mein Fehler. Bitte wiederholen Sie Ihre Nummer erneut Ziffer für Ziffer inklusive der Ortsvorwahl oder tippen Sie sie ein.“

Ich tippe meine Nummer ein.

„Entschuldigung. Das habe ich nicht verstanden. Bitte wiederholen Sie Ihre Nummer inklusive der Ortsvorwahl Ziffer für Ziffer.“

„NULL NULL VIER DREI…“, sage ich nun lauter und überdeutlich.

„Lassen Sie mich das wiederholen. Ihre Nummer ist also die 09…“

„NEIN!“, schreie ich den Hörer an und endlich gibt die Alte auf und ich werde zu einem Mitarbeiter durchgestellt. Das Ganze habe ich letzte Woche fünfmal ertragen. Ich bitte um Applaus dafür, dass ich niemanden erschlagen habe.

 

Versaute Tage aufgrund anderer Leute Inkompetenz

Wo wir schon beim wunderbaren Thema Speditionen sind. Der Spaß hörte nicht in der Telefonwarteschleife auf. Am Mittwoch vereinbarte ich telefonisch einen Termin für eine Abholung, die am nächsten Tag zwischen 9 und 13 Uhr stattfinden sollte. So weit so gut. Nur wurde es dann 13 Uhr und niemand kam. Um halb 3 rief ich an und kämpfte mich durch die Telefonwarteschleife.

„Ja?“

„Ich habe einen Termin für eine Abholung vereinbart und der Fahrer hätte vor spätestens eineinhalb Stunden da sein sollen. Können Sie mir sagen, wo er ist?“

„Ich glaube, dass Fahrer kommt“, sagte der Typ am anderen Ende der Leitung.

„Ihr Glaube in allen Ehren, aber ich warte schon den ganzen Tag und habe keine Lust, noch länger zu warten. Können Sie ihm bitte sagen, dass er mich anrufen soll?“

„Geht nicht. Hat kein Handy.“

„Können Sie mir sagen, welches Jahr wir haben?“

„Was?“

„Welches Jahr haben wir?“

„2018.“

„Richtig. Wie können Sie es im Jahr 2018 rechtfertigen, dass jemand kein Handy hat?“

Unverständliches Murmeln am anderen Ende. Dann das Versprechen, dass man mich innerhalb der nächsten Stunde anrufen würde.

Passierte nicht.

Ich rief nochmal an. Wieder dieselbe Konversation. Wieder rief mich niemand an.

Ich rief um 18 Uhr ein drittes Mal an.

„Hier steht, Ihre Sendung ging nach Berlin“, erteilte man mir schließlich Auskunft. Entnervt vereinbarte ich einen weiteren Termin für den nächsten Tag, gleiches Zeitfenster.

Am nächsten Tag um 12 rief mich eine Mitarbeiterin an, die sich für die „Dummheit der Kollegen“ entschuldigte. Bevor ich fragen konnte, ob es keinen Mindest-IQ für Angestellte gebe, fragte sie mich, wann ich denn einen neuen Termin vereinbaren wollte – ich antwortete verwirrt, dass doch einer ausgemacht wäre.

„Ne, da ist nichts im System.“

Und wieder war ich so kurz davor, laut loszuschreien. Nach diesem Telefonat zündete ich mir erst mal eine Zigarette an.

 

Übertriebene Paranoia und Political Correctness

Am Freitag war es dann endlich so weit – mein Fahrrad wurde abgeholt. Von einem freundlichen Kerl namens Ahmed. Ich war überglücklich – doch es sollte nicht lange halten. Denn heute Morgen noch vor meinem Weckerklingeln läutete mein Telefon und Ahmed war dran.

„Können Fahrrad so nicht verschicken. Ist nicht verpackt. Muss ich wieder zurückliefern.“

„Nein. Das ist so mit den Empfängern abgesprochen“, antwortete ich genervt.

„Nein. Geht so nicht. Müssen Sie verpacken.“

Jo mein Lieber, ich habe auch natürlich einen Karton bei mir herumstehen, der so groß ist wie mein halbes Vorzimmer!

Ich teilte ihm dann mit, dass ich das Fahrrad nicht anzunehmen gedenke und legte auf. Wie eine moderne Frau des 21. Jahrhunderts – kam dazu natürlich eine Instastory. Und prompt kam eine Antwort: „Was hat die Namenswahl zu bedeuten?“

Ich verdrehte die Augen und antwortete: „Musst du seine Eltern fragen.“

„Ich hoffe jetzt einfach mal, dass der Herr wirklich Ahmed heißt und du ihn nicht nur so genannt hast.“

Ich schüttelte den Kopf und tue es auch jetzt, während ich diese Zeilen tippe. Wenn ich bisher Leute auf die Schippe genommen habe, habe ich immer „westlich“ klingende Namen verwendet. Ich habe mich kein einziges Mal diskriminierend gegen irgendjemanden geäußert. Aber sobald ich einmal „Ahmed“ schreibe, muss natürlich jemand mit erhobenem Zeigefinger kommen. Liebe Leute, Political Correctness in allen Ehren – ich bin selbst dafür, niemanden durch Sprache zu diskriminieren. Aber es ist nur ein harmloser Name! Nicht hinter jedem ausländisch klingenden Namen steckt ein Angriff! Also calm your tits. Das steckte nichts Rassistisches dahinter. Er heißt einfach nur so.

 

Ihr seht, diese Sache hat mir etwas zugesetzt. Es tut mir auch leid, dass dieser Mimimi-Montag zu einem Speditionshasspost ausgeartet ist, aber manchmal muss man sich den Mist einfach von der Seele schreiben. Und welcher Tag könnte dafür geeigneter sein? Auf dass die restliche Woche besser verläuft!

 

Eure Julie,

Die mit dem roten Lippenstift

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