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Tipps für angehende Journalisten

 

Wie gestern angekündigt, möchte ich euch noch ein paar generelle Tipps mit auf den Weg geben, die ich selber bekommen habe, um in den Journalismus zu gelangen. Es gibt viele Wege, die nach Rom führen, aber ich möchte euch hier die gängigsten vorstellen und hoffe, dass ihr davon zumindest ein bisschen profitieren könnt.

Praktika

Der einfachste Weg, in die Branche hineinzuschnuppern und zu sehen, ob es einem überhaupt gefällt (was ganz wichtig ist, siehe letzter Post), führt über Praktika. Genau genommen, führt daran so gut wie kein Weg vorbei, wenn ihr noch keine Berufserfahrung im Journalismus habt. Es sei denn, jemand sieht euch, denkt sich „Wow, der hat Potenzial, den stelle ich als Redakteur an“, aber seid versichert, dass das, wenn überhaupt, äußerst selten der Fall sein wird. Selbst, wenn ihr einen Bachelor in Publizistik habt.

Fragt euch ein wenig durch, welche Medienhäuser in eurer Nähe denn überhaupt Praktikanten einstellen und dann schickt einfach eine Bewerbung, auch, wenn gerade nichts ausgeschrieben ist. Initiative kommt immer gut und mehr als ablehnen können sie nicht. Ein Praktikum bietet euch die Chance, zu zeigen, was ihr drauf habt. Ihr habt quasi schon einen Fuß in der Tür und wenn Redaktionsstellen vakant werden, habt ihr vielleicht sogar die Chance, dass man auf euch zurückgreift. Außerdem ist es eine gute Gelegenheit, sich ein Netzwerk aufzubauen und das kann im Journalismusbereich sehr wichtig sein. Und ganz ein wichtiger Punkt: Schimpft niemals während des Praktikums über euren Chef oder die Organisation. Niemals. Das sollte sich eigentlich von selbst verstehen, aber manches sagt man lieber nochmal dazu.

Viele denken sich jetzt wahrscheinlich: „Na super, noch ein Praktikum. Da kopiere ich eh nur ein paar Zettel und mach Kaffee.“ Ich kann euch beruhigen: Ich habe während meines Praktikums keinen einzigen Kaffee gekocht. Bin ja Teetrinkerin.

Sich selbst einbringen

Dieser Tipp stammt von meinem Chefredakteur höchstpersönlich und ist vor allem wichtig, wenn ihr eure Zukunft im Magazinjournalismus seht. Ich weiß noch, wie mein jetziger Chefredakteur während der Journalismusakademie sagte: „Wenn jemand für uns schreiben will, auch als freier Mitarbeiter, will ich auch Themenvorschläge dazu haben.“

Und damit hat er vollkommen Recht. Wenn ihr nicht wisst, worüber ihr schreiben wollt, wie soll ein Chefredakteur wissen, ob ihr für sein Magazin interessant seid? Ein Wirtschaftsmagazin wird niemanden anstellen, der nur über Mode berichten kann, auch wenn es um die Kleidung von Bankern geht. Wenn euch bei sowas also nur ein Ranking für das bestgekleidete Wirtschafts-Ass einfällt, sucht euch bitte etwas, das euren Interessen mehr entspricht. Also, wenn euch ein Magazin gefällt und ihr gerne dort arbeiten würdet, ackert einfach ein paar Ausgaben davon durch, schaut, was das Magazin ausmacht, und dann überlegt euch Themen, die zum Stil passen. Idealerweise liefert ihr auch gleich eine Textprobe mit, wie das Ganze dann aussehen könnte, damit sich euer potenzieller zukünftiger Boss gleich ein Bild von eurem Schreibstil machen kann.

Assessment Center

Ich muss zugeben, diesen Tipp hätte ich euch vor zwei Minuten noch nicht geben können, weil ich das gerade erst selbst herausgefunden habe. Erstaunlich, wie viel man immer wieder dazulernt, wenn man einfach einen Suchbegriff bei Google eingibt. Ich wusste nur, dass der ORF in Österreich regelmäßig Assessment Center veranstaltet, weil man ohne dieses Assessment Center keine Chance auf eine Festanstellung dort hat – dieser Tipp kam übrigens von einem ORF-Mitarbeiter, ist also mit Gewähr. Falls ihr euch für den ORF interessiert, müsst ihr da durch. Was ich selber noch nicht wusste, bevor ich Tante Google gefragt habe, um euch keinen Blödsinn zu erzählen, ist, dass es mittlerweile eine ORF-Akademie gibt, bei der man sogar die Chance auf eine einjährige Anstellung hat.  Also, meine lieben zukünftigen Radio- und Fernsehjournalisten, ran an den Speck und sagt mir, wann ich eure Beiträge sehen oder hören kann! Wenn ihr dann berühmt seid, könnt ihr mich auch gerne mal in eure Sendung einladen, dann erzähle ich euch etwas über… kommt drauf an, welches Thema zu eurer Sendung passt. Ich bin da sehr flexibel. Nur bitte nichts über Fußball.

Und für meine lieben Leser aus Deutschland oder der Schweiz: Bei euch gibt es sicher auch Medienhäuser, die Assessment Center anbieten. Wenn euch so etwas interessiert, versucht es einfach mal. Ihr habt nichts zu verlieren, außer vielleicht eurer Würde, wenn euch vor laufender Kamera die Hose reißt. Aber das wollen wir ja nicht hoffen.


 

Ich hoffe, ihr konntet mit meinen Tipps ein bisschen was anfangen, auch wenn sie auf den ersten Blick unspektakulär erscheinen. Der wichtigste Tipp, den ich euch aber auf den Weg geben kann, ist Hartnäckigkeit. Und habt keine Scheu, es immer weiter zu versuchen. Der Traumjob mag anfangs immer so unerreichbar erscheinen, aber er ist es nicht. Journalisten sind auch nur normale Menschen. Und meistens sind wir auch noch ziemlich nett 😉

Hoffentlich lese oder höre ich mal was von euch!

Eure Julie,

Die mit dem roten Lippenstift

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6 Comments

  1. Kat
    4 Jahren ago

    Meine liebste Julie!
    Die Tipps sind wirklich toll. Ich bin begeistert von dir und deinem Blog, aber das weißt du ja. 😉 Danke für diesen Beitrag. Ich werde mich morgen gleich mal daran setzten und mit der Arbeit anfangen. 🙂 bis zum nächsten Artikel.
    Hab dich lieb. <3

    Reply
    1. diemitdemrotenlippenstift
      4 Jahren ago

      Bist du lieb, danke dir :-* freu mich auch schon auf deinen nächsten Eintrag. Hab dich auch lieb!

      Reply
  2. derhilden
    4 Jahren ago

    Ich danke dir für die Einblicke, die du uns gewährst! Ehrlich gesagt fiel mir beim Lesen deiner Beiträge zu dem Thema auf, dass ich gar keine Ahnung davon hatte, wie man letztendlich Journalist wird.
    Aber mal eine (vielleicht etwas blöde) Frage: Was genau macht mit einem Publizistikstudium, wenn es in den seltensten Fällen dazu führt, dass man eine Anstellung als Journalist bekommt?

    Reply
    1. diemitdemrotenlippenstift
      4 Jahren ago

      Was man damit macht? Gute Frage, dasselbe wie mit Erziehungswissenschaften und Philosophie vermute ich..
      Ne, Spaß. Es kann schon von Vorteil sein, so ist es nicht. Man hat dann ja schon mal ein theoretisches Grundverständnis für das Thema. Und es gibt auch Journalisten, die Publizistik studiert haben. Es ist nur ein weit verbreiteter Irrglaube, dass einem die Türen zu sämtlichen Medienunternehmen offen stehen, sobald man einen Abschluss darin hat 😉 Also Grundvoraussetzung ists definitiv keine, bei mir in der Redaktion hat das, glaub ich, niemand studiert und trotzdem sitzen wir alle da mit unseren Jobs 🙂

      Reply
      1. derhilden
        4 Jahren ago

        Alles klar, danke! 🙂
        Ich fand den Vergleich mit dem Ornithologen auch absolut genial. 😀
        Ich denke nämlich auch, dass man einen solchen Beruf nur dufch die Praxis erlernen kann und eine gewisse Affinität zum Schreiben sollte man da schon besitzen, ohne dass ich Ahnung davon hab, aber das sagt mir meine Intuition in diesem Fall.

        Reply
        1. diemitdemrotenlippenstift
          4 Jahren ago

          Ja der ist auch gut 😀 definitiv, wenn man schreiben nicht mag, sollte man sich lieber einen anderen Job suchen 😉

          Reply

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