In Column

Wie man sich auf Facebook als Ü50er outet

Facebook Ü50

Die Kommunikation auf Facebook ist ja so eine Sache. Ich weiß noch, wie ich mir Facebook vor zehn Jahren zugelegt habe (fuck, es ist tatsächlich schon so lange her!) und mein einziges Ziel damals war, möglichst viele Seiten mit pseudowitzigen Namen zu liken. Datenschutz am Arsch.

Heute verbringe ich deutlich mehr Zeit damit, Seiten, die ich mit 15 noch amüsant fand, sukzessive auszusortieren … und natürlich mit meiner Lieblingsbeschäftigung, nämlich Menschen zu beobachten. Und dabei ist mir aufgefallen, dass man einen Ü50er auf Facebook nicht nur an Namen wie Harald oder Gudrun erkennt, sondern das Alter an der Art der Facebook-Kommunikation ablesen kann.

Disclaimer: Liebe Generation Ü40, das ist kein „Was seid ihr nur uncool“-Post, das sind nur Feststellungen, die eben einfach sehr oft zutreffen! Wenn ihr euch bei der einen oder anderen Sache angesprochen fühlt, nehmt’s einfach mit Humor 😉

 

Liebe Grüße aus dem sonnigen Burgenland!

 

Einer der zuverlässigsten Indikatoren dafür, dass man auf Facebook mit einem Ü50er zu tun hat, ist, dass er einen Kommentar ähnlich wie eine Postkarte beendet – nämlich immer mit schönen, lieben oder herzlichen Grüßen, dazu ein positiv konnotiertes Adjektiv und eine Ortsangabe.

Besonders gern macht der Ü50er das, wenn er gerade auf Urlaub ist und seinen Freunden unter die Nase reiben will, dass er gerade in der Sonne chillt, während die anderen sich beim Schneeschaufeln das Kreuz verrenken.

Was bei der Generation Z „Haha gute Besserung, du Opfer!“ heißt, ist für den Ü50er das „Gute Besserung deinem Rücken, lieber Gerhard! Sitzen gerade auf der Terrasse und genießen ein herrliches Abendessen. Sonnige Grüße aus dem warmen Griechenland!“

Woraufhin der liebe Gerhard nicht, wie ich persönlich es handhaben würde, mit einem herzlichen „Fuck you“ antwortet, sondern mit einem ebenso passiv aggressiven „Schön für euch, lieber Harald! Verschluckt euch nur nicht an Meeresfrüchten, daran ist meine Frau Helga schon einmal fast erstickt. Liebe Grüße aus dem verschneiten Tirol!“

 

Fünf Mal dasselbe Profilbild

 

Woran man einen Babyboomer auf Facebook noch erkennt, sind seine Profilfotos. Aber nicht, wie man es erwarten würde, daran, dass einem da ein alter Knacker entgegenlächelt, sondern daran, dass die Fotos meist unscharf und/oder unterbelichtet sind und vor allem mindestens fünf Mal dasselbe Profilbild vorhanden ist. Der einzige Unterschied besteht darin, dass über eins davon zumindest eine Frankreichflagge drübergelegt wurde, um sein Beileid für irgendeinen Terroranschlag zu bekunden.

Alternativ zur Frankreichflagge bieten sich auch politische Positionierungen (von der Sorte „Bin mal Kurz wählen!“) oder irgendwelche Tierschutzforderungen an. Man muss ja mit seinem Profilbild auch mal eine Message transportieren! Und wenn es nur die ist, dass man nicht im digitalen Zeitalter aufgewachsen ist.

 

Viel zu lange Bildbeschreibungen

 

Wo wir schon bei Bildern sind, möchte ich gerne an diesen Punkt anknüpfen. Ü50er posten sehr gerne Bilder auf Facebook. Und sie schreiben sehr gerne dazu, was sie sich bei diesem Bild gedacht haben. Ich stelle mal die These auf, dass jede Person über 50 mindestens ein Bild auf ihrer Facebookseite hat, bei dem man auf „Mehr anzeigen“ klicken muss, um die ganze Bildbeschreibung zu lesen.

Meist handelt es sich hier um ausufernde Urlaubsbeschreibungen der Sorte: „Griechenland ist so schön! Sind gestern Abend nach einem turbulenten Flug in Athen angekommen, dann war der Taxifahrer zu spät, aber er hat uns sicher zu unserem herrlichen Domizil gebracht. Waren dann noch Abendessen in einer wunderbaren Taverne und haben sogar einen Ouzo aufs Haus bekommen. Die Griechen sind so gastfreundlich, fühlen uns ganz wie zuhause!“

Gerne ist aber auch ein bisschen Gesellschaftskritik, gespickt mit einer Prise Rassismus, dabei: „Diesen Giftköder habe ich auf meiner üblichen Gassiroute gefunden. Es ist schon unglaublich, wie viel Hass heutzutage herrscht und dass der sich gegen unschuldige Hunde richtet! Ist aber auch kein Wunder, so viele Flüchtlinge, wie hier momentan unbeaufsichtigt herumlaufen!!!!1111!!!“

 

Kommentare unter Nachrichtenartikeln

 

Das Kommentierverhalten meiner Generation besteht fast ausschließlich darin, seine Freunde unter lustigen Artikeln oder Spruchbildern der Sorte „S + L werden immer total crazy, wenn sie Gin Tonic trinken“ zu verlinken und „Haha, Lisa, das sind so wir!“ dazu zu schreiben.

Aber nicht das der Generation Ü40! Die hat noch was zu sagen. Und das wird sie auch tun, nämlich in Form von Kommentaren unter Nachrichtenartikeln – die halt auch oft ziemlich am Thema vorbeigehen.

Dies lässt sich wohl am besten anhand eines Beispiels illustrieren. Angenommen, eine Zeitung postet einen Artikel darüber, dass Chris Brown Rihanna geschlagen hat (brandaktuelles Thema, ich weiß!), kann man sicher sein, dass irgendein Ü50er darunter „Rihanna find ich super!“ schreibt. Danke Bernd, diese Wortmeldung war wirklich wichtig für uns alle!

 

Pärchenprofile

 

Etwas, über das wohl niemand aus meiner Generation auch nur nachdenken würde, das unter Ü50ern aber überdurchschnittlich oft praktiziert wird, ist das Konzept eines Pärchenprofils. So ganz nach dem Motto: „Naja, eins reicht ja wohl!“

Diese Menschen findet man auf Facebook dann meist unter Namen wie „Maier Gertraud Hans“ (weil Ü50er aus irgendeinem Grund auch überdurchschnittlich oft den Nachnamen voranstellen) oder „DieterUndManuela Lechner“.

Ist ein wenig creepy, wenn so ein Account etwas kommentiert, weil ich mir dann immer vorstelle, dass die dann gemeinsam vor dem Computer sitzen und darüber diskutieren, ob sie nun liebe Grüße aus der schönen oder aus der grünen Steiermark hier lassen wollen.

 

Liebe Eltern-Generation, ich mag euch. Bitte ändert nichts an eurem Facebook-Verhalten, denn diese kleine Sozialforschung hat mir so viel Spaß gemacht und ich möchte auch eure Kommentare nicht missen. Behaltet euch euren Stil, denn genau der macht euch aus. Wenn ihr aber lieber jünger wahrgenommen werden wollt, könnt ihr gern an den oben genannten Punkten ansetzen 😉

 

Eure Julie,

die mit dem roten Lippenstift

 

Photo by Tiago Muraro on Unsplash

Share Tweet Pin It +1

You may also like

Sozialforschungsprojekt Supermarkt

Posted on 11. Mai 2016

Studententypen und wie man sie erkennt

Posted on 13. Januar 2017

Likest du mich, dann like ich dich!

Posted on 11. Februar 2017

Previous PostAb in die Therme(nwartung)
Next PostLass mich doch einfach schlafen! | Der Mimimi-Montag

No Comments

Leave a Reply

Ich akzeptiere