In Mimimi-Montag

Das multikulturelle Weißbrot

Hallo, meine Lieben! Heute ist Montag und ihr wisst, was das heißt: Es wird wieder ordentlich schlechte Laune verbreitet. Yaaaay! Diejenigen, die sich immer nur für „positive vibes“ aussprechen, wissen gar nicht, was sie verpassen. Positives Denken ist ja schön und gut, aber es geht doch nichts darüber, sich mal so richtig auszukotzen. Und genau das werde ich nun wieder tun. Herzlich willkommen zu unserem Hassformat, das wir alle lieben!

„Meine Wurzeln verlieren sich dort und dort“

Dass es zwischen verschiedenen Volksgruppen gewisse kulturelle Unterschiede gibt, lässt sich nicht leugnen. Und einer davon ist mir in letzter Zeit besonders aufgefallen: Wenn man meine arabische beste Freundin fragt, woher sie kommt, antwortet sie ganz knapp mit „Ägypten“. Um die Frage nach ihrer Herkunft zu beantworten, braucht sie also, je nach Sprechtempo, ein bis zwei Sekunden. Ihr glaubt, das ist nichts Ungewöhnliches? Dann habt ihr offenbar noch nie den klassischen Durchschnittsweißen gefragt, woher er kommt.

Hier sagt niemand einfach nur, dass er aus Wien ist, nein, das wäre ja viel zu Mainstream und man muss sich abheben. Die klassische Antwort einer Basic White Bitch klingt viel eher so: „Also, ich wohne gerade in Wien, aber eigentlich komme ich ja ganz woanders her, nämlich aus der Steiermark. Du musst wissen, meine Wurzeln verlieren sich im Ex-Jugoslawien, der Mädchenname meiner Mutter endet auf –ic. Mein Vater hat allerdings einen italienischen Hintergrund, seine Familie stammt aus Südtirol.“ Darf ich vorstellen? Das multikulturelle Weißbrot. Tanja, bitte tu uns allen einen Gefallen und sag einfach, dass du aus Kapfenberg kommst, die Info reicht vollkommen. Deine Lebensgeschichte ist eher ein Fall für den nächsten Friseurbesuch.

Drucker

Wer denkt, dass Lord Voldemort ein Arsch ist, hatte noch nie einen Drucker. Ich mochte meinen Drucker wirklich, als ich noch in der WG gewohnt habe. Dort hatten wir nie Schwierigkeiten miteinander und er gehörte zu den besten Investitionen in mein Erwachsenenleben. Doch den Umzug aus dem dritten in den zweiten Bezirk hat er irgendwie nicht ganz so verkraftet. Klar, plötzlich gab es ein anderes WLAN-Netz, in das er sich einfinden musste – und das mag er offenbar gar nicht.

In letzter Zeit war ich sehr oft in der Situation, etwas ausdrucken zu müssen. Denkt ihr, es wäre auch nur einmal nach Plan gelaufen? Nein. Jedes Mal dasselbe Problem mit dem deppaten Drucker: Ich will etwas ausdrucken, der Computer sagt mir, der Drucker wäre im Fehlerzustand. Ich versuche, ihn neu zu konfigurieren – klappt nicht. Ich versuche es mittels Wi-Fi-direct – nur, dass man dafür ein Passwort braucht und dieses fucking Passwort nirgends in der gesamten Anleitung steht. Letztens habe ich wirklich sage und schreibe eine halbe Stunde gebraucht, um ein einzelnes Blatt auszudrucken. Und ich wette, der Drucker hat sich insgeheim über mich totgelacht. Die Dinger riechen Angst.

Menschen, die alles schlechtreden

Wahrscheinlich teilen wir alle gerne unsere Erfolge mit anderen. Bei mir zumindest ist es so, dass ich am liebsten sofort meine Mama, meine besten Freunde und die Katze vom Nachbarn anrufen würde, sobald ich etwas ganz Tolles erlebt habe. Allerdings gibt es Menschen, die es einem daraufhin echt schwer machen, sich noch zu freuen. Darf ich vorstellen? Ihr Name ist Peter. Miese-Peter.

Diese Menschen sind wahrscheinlich mit ihrer eigenen Situation so extrem unzufrieden, dass sie es nicht ertragen können, wenn andere sich ihres Lebens erfreuen. Beispielsweise erzählt habe ich mal jemandem (nennen wir ihn Peter, weil es sich so schön anbietet) erzählt, dass ich gerade einen Urlaub in Berlin gebucht habe. Peter verzog daraufhin abschätzig das Gesicht und sagte: „Also, ich war ja schon mal in Berlin und fand es schrecklich. Alles ist dreckig, die Leute sind asozial und insgesamt gibt es einfach so viel schönere Städte.“

Ja, super, das lässt ja schon mal Urlaubsstimmung aufkommen. Dann versuchte ich, diplomatisch einzuwenden, dass ich die Stadt ebenfalls kenne und sie nicht mal ansatzweise so schrecklich, sondern sogar sehr cool finde. Peter zuckte daraufhin die Achseln und sagte: „Wirst schon sehen, wie cool du die Stadt noch findest, sobald du in Kreuzberg auf die Straße gehst und abgestochen wirst.“

Wunderbar, Peter. Danke. Warum macht man so etwas? Wäre ein einfaches „Hey cool, viel Spaß!“ zu viel verlangt? Es ist ja okay, wenn einem etwas nicht gefällt und das darf man natürlich sagen. Aber das ist kein Grund, jemand anderem die Freude daran zu nehmen.

Indiskrete Menschen in Öffis

Es gibt diese Menschen, die unangemessen viel physische Nähe zu Fremden suchen. Eine Fahrt mit den Wiener Linien lässt in diesen Menschen wahrscheinlich ähnlich viel Freude aufkommen wie ein Glas Chianti bei mir. Und weil eine U-Bahn-Fahrt ihr Herz um so vieles höher schlagen lässt, vergessen sie die wichtigste ungeschriebene U-Bahn-Regel: Diskretion zu wahren.

Für Sitzplätze in Öffis gelten dieselben ungeschriebenen Gesetze wie für Pissoirs und Laufbänder im Fitnessstudio: Man lässt, sofern das möglich ist, immer eines frei. Letztens saß ich im Zug und er war leer. Und mit leer meine ich, er war wie ausgestorben. Außer mir waren noch zwei junge Männer, eine alte Frau mit Hund und ein asiatisches Touristenpärchen im Waggon. Es gab wirklich massenhaft Platz. Und wo setzte sich die Frau hin, die als nächstes einstieg? Natürlich! Genau neben mich. Das wäre total okay, wenn der Zug voll wäre. Aber nicht, wenn von 100 Plätzen 95 frei sind.

Neue Woche, neues Glück? Würde ich auch sagen. Ihr wisst ja, das Leben ist manchmal wie ein Druckkochtopf: Erst, wenn man Dampf abgelassen hat, hat man Zugang zu den guten Dingen 😉 In diesem Sinne wünsche ich euch eine wunderbare Woche!

Eure Julie,

Die mit dem roten Lippenstift

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