In Work & Study

Supergeile Überschrift

…Und hier eine noch viel geilere Subheadline, die richtig Bock aufs Thema macht.

Genau so fangen alle meine Artikel an. Natürlich kann ich das so niemals veröffentlichen, auch wenn ich finde, dass diese Versionen um einiges interessanter klingen als „Starke regionale Partner“ oder „Südseeparadies Sardinien“. Nichts an einem Artikel fuckt mich so ab wie die Suche nach dem passenden Titel dazu. Deshalb hebe ich mir diesen besonderen Teil immer für den Schluss auf, damit ich genügend Schonfrist habe, um darüber nachzudenken, welche meiner Ideen am wenigsten schlimm klingt. Wie oft ich die Frage, ob ich schon fertig sei, mit einem „Gleich, ich brauch nur noch die Überschrift“ beantworten musste, will ich gar nicht wissen. Das Blöde ist nur, dass ich einen Artikel nicht anfangen kann, ohne eine Überschrift und einen Vorspann zu haben. Tja, da herrscht in meinem Hirn wohl ein klarer Interessenskonflikt. Was macht man dann? Genau, man improvisiert.

Supergeniale Zwischenzeile

Es ist aber auch schwer, den Inhalt eines Textes in ungefähr vier Worten zusammenzufassen, sodass es trotzdem noch einen Sinn ergibt. Tageszeitungsjournalisten können sich zumindest noch des Küchenzurufsystems bedienen. Dabei stellen sie sich einfach bildlich vor, dass sie selbst vor dem Fernseher sitzen und Nachrichten schauen, während ihre Frau, ihr Mann, der Nachbarshund oder wer auch immer in der Küche hantiert. Damit die nicht gänzlich uninformiert vom Tagesgeschehen bleiben, ruft man ihnen in einem Satz die Message eines Beitrags einfach zu. So quasi: „Die Arschlöcher erhöhen schon wieder die Spritpreise!“ oder auch: „Dieser Wichser von Präsident wurde endlich erschossen.“ Das alles entledigt man dann noch sämtlicher Fäkalausdrücke und Wertungen und man hat eine solide, aussagekräftige Überschrift. So einfach kann es sein. Aber nicht so im Magazinjournalismus. Da „darf“ man diesbezüglich ja kreativ sein. Juhu. Was für ein Segen.

Weitere coole Zwischenzeile

Woher meine Blockade bezüglich der Headlines kommt, weiß ich nicht. Es ist jetzt nicht so, als hätte ich diesbezüglich etwas erlebt, das mich traumatisiert hat. Ich wurde weder von einer Überschrift angegriffen, noch wurde ich überfallen, als ich versucht habe, einen Titel zu finden. Möglicherweise ist es die Angst, den Leser schon zu Beginn zu vergraulen. Vielleicht ist so etwas auch angeboren. Ich will es nicht hoffen. Sonst muss ich wohl mal mit unserem Chefredakteur oder der Personalverwaltung reden, ob wir nicht einen Überschriftentexter einstellen können – ja, solche Leute gibt es wirklich. Deren Job steht in der Rangliste meiner Traumberufe ungefähr zwischen Hebamme und Facility Managerin – also ganz weit unten.

Hier noch eine richtig geile Zwischenzeile

Ja, Schande auf mein Haupt, ich gebe es zu: Ich bin Journalistin und Schriftstellerin und sicher nicht die Allerschlechteste. Dennoch schreibe ich vermutlich die schlimmsten Überschriften im ganzen Land. Wenn ihr irgendwo einen gar nicht so schlechten Artikel mit beschissener Headline lest, ist der mit hoher Wahrscheinlichkeit von mir. Wenn man den Artikel dann überhaupt noch liest. Immerhin macht der Titel erst Lust auf den Text. Warum kann das nicht umgekehrt sein? Wenn man ein Buch nicht nach seinem Einband beurteilen sollte, warum ist es dann okay, sich einen genial geschriebenen Artikel gar nicht erst zu Gemüte zu führen, nur, weil die Überschrift dem Text nicht das Wasser reichen kann? Über dieses Thema könnte ich stundenlang mit Elan philosophieren. Das macht meine Headlines nur leider auch nicht besser.

 

Also bitte ich euch höflichst: Lasst euch von meinen Überschriften nicht abschrecken. Die Texte sind meistens besser – versprochen!

Eure Julie,

Die mit dem roten Lippenstift

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9 Comments

  1. Vivien
    4 Jahren ago

    Haha, hab echt lachen müssen! Meine Schwester fands auch witzig. 🙂

    Reply
    1. diemitdemrotenlippenstift
      4 Jahren ago

      Hihi danke, das freut mich voll

      Reply
  2. Bos Primigenius
    4 Jahren ago

    ..Wohnzimmer-Küchenkomunikation at its best!

    Reply
    1. diemitdemrotenlippenstift
      4 Jahren ago

      Ich nehms als Kompliment und sag danke 😀

      Reply
  3. derhilden
    4 Jahren ago

    Kenne ich absolut. 😀 Ich finde den Anfang eines Beitrags und die Überschrift wirklich am Schwierigsten zu finden. Das Schreiben des Beitrags selbst, wird irgendwann einfach, wenn ich in meinen mir unerklärlichen „Flow“ komme. Ich hätte auch gern einen Überschriftentexter für meinen Blog. 😀

    btw, genialer Vergleich mit der Wohnzimmer-Küchenkommunikation, das trifft es absolut perfekt.

    Reply
    1. diemitdemrotenlippenstift
      4 Jahren ago

      Ja find ich auch, in der Mitte geht’s dann immer super aber das davor ist ne Qual 😀
      Danke 🙂

      Reply
  4. Happy Birthday, die mit dem roten Lippenstift! - diemitdemrotenlippenstift
    3 Jahren ago

    […] Erster Beitrag: Supergeile Überschrift […]

    Reply
  5. Mein erstes Mal - diemitdemrotenlippenstift
    3 Jahren ago

    […] wäre nicht schlecht“, meinte mein Kollege nur. Okay, das klang machbar. Bis auf das mit der Überschrift. Die löste an meinem zweiten Tag nämlich wirklich noch eine mittelschwere Panikattacke aus, auf […]

    Reply
  6. Endlich seriös! - diemitdemrotenlippenstift
    3 Jahren ago

    […] Faible für roten Lippenstift im Gegensatz zu meiner Blockade bezüglich Überschriften (siehe älterer Beitrag) in dieser Woche noch nicht hatte, lautete meine Unterschrift natürlich anders. Aber auch ohne […]

    Reply

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