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„Lebkuchen! Ist ja wohl eine Frechheit!“ | Der Mimimi-Montag

Lebkuchen im September

Wenn ich diese Zeilen tippe, ist es zwar erst Donnerstag, aber da mich seit vier Tagen eine leichte Darmgrippe plagt und ich mich zwar angeschlagen fühle, aber noch nicht so krank, dass es vertretbar wäre, den ganzen Tag am Sofa zu liegen, Nutella aus dem Glas zu löffeln und Downton Abbey zu schauen, bin ich nicht in der besten mentalen Verfassung – dafür aber in bester Verfassung, um ein wenig Dampf ablassen zu wollen. Willkommen zu unserem Hassformat, das wir alle lieben!

 

Diese komischen Instagram-Gruppen-Anfragen

Gut, wir beginnen gleich mit einem Special Interest Thema, denn alle Leser, die nicht auf Instagram stattfinden, werden jetzt überhaupt nichts verstehen. Deshalb kurze Erklärung: Auf Instagram trudeln bei mir seit geraumer Zeit Nachrichtenanfragen ein, bei denen mich irgendwelche Fake-Accounts zu höchst seltsamen Foto-Gruppen hinzufügen wollen, die irgendwie 400 Mitglieder haben und ich habe keinen Plan, was das momentan für eine Welle ist.

Jedenfalls nervt es unglaublich. Es ist wie eine Metapher für mein reales Leben: Da erwarte ich mir Liebesbriefe von heimlichen Verehrern und wenn ich den Briefkasten öffne, ist doch nur wieder ein Brief vom Finanzamt und Werbung fürs Dänische Bettenlager drin.

Ich möchte bitte, verdammt noch mal, eine Einstellung auf Instagram, mit der ich ablehnen kann, zu irgendeiner Gruppe hinzugefügt zu werden! Und für WhatsApp möchte ich dieses Feature an dieser Stelle auch gleich. Danke. Vielen Dank. Danke.

 

„Lebkuchen! Jetzt! Frechheit! Kauft doch keiner!!!!!!!!“

Ja, es ist wieder diese seltsame Zeit im Jahr: Die Lebkuchen sind in die Supermarktregale eingezogen! Und genauso wie der Sommer leider auch negative Begleiterscheinungen wie Mücken und Baustellen unter meinem Schlafzimmerfenster anzieht, ziehen die Lebkuchen auch die Menschen an, die sich über sie beschweren.

Ganz lautstark regen sie sich im Supermarkt darüber auf, dass es ja wohl noch lange nicht Zeit dafür sei und manchmal muss sogar der eine oder andere arme Verkäufer dran glauben, der auch nichts dafür kann.

Falls sich jetzt jemand angesprochen fühlt, lasst uns einen kurzen Exkurs in die Volkswirtschaft unternehmen: Der Markt wird von Angebot und Nachfrage geregelt. Werden Produkte verstärkt nachgefragt, wird sich der Handel auch bemühen, sie entsprechend anzubieten. Keine Nachfrage, kein Angebot.

Weniger kryptisch ausgedrückt: Wenn es jetzt so viele Lebkuchen gibt, dann wird sie schon jemand kaufen. Ich zum Beispiel.

Und wer im September noch keinen Bock auf Lebkuchen hat, dem möchte ich noch einen kurzen Hinweis geben, der sich wohl noch nicht herumgesprochen hat: Man ist nicht verpflichtet, im Supermarkt etwas zu kaufen, das man nicht möchte. Einfach dran vorbeigehen, spart Zeit und Nerven. Vor allem meine.

 

Projekte, die nicht beendet werden können, weil andere Personen trödeln

Jeder, der schon einmal zu irgendeiner verfickten Gruppenarbeit genötigt wurde, kennt das Problem und wird jetzt verständnisvoll nicken. Projekte, an denen andere Personen beteiligt sind, sind meist einfach nur eins: langwierig. Vor allem, weil die ärgsten Trödler immer genau die Aufgaben bekommen, die Voraussetzung für das Voranschreiten des Projekts sind.

„Ja, an sich könnten wir schon längst fertig sein, aber die Tina muss noch ihren Teil fertigstellen und der Rest der Arbeit baut darauf auf …“

Und der einzige Gedanke, der dann im Kopf herumgeistert und den man natürlich nicht laut aussprechen kann: „Fick dich doch ins Knie, Tina! Menschen wie du sind der Grund, warum Berlin noch immer keinen ordentlichen Flughafen hat.“

 

Zu viel Commitment bei Verkäufern

Ich war letztens bei Mister Spex in Berlin. Da gibt’s das Ganze nämlich sogar offline. Und ich dachte mir, ich tu mal was für meine Ökobilanz (nachdem ich schon geflogen bin) und lass mir zumindest keine vier Brillen liefern, um sie dann alle wieder zurückzuschicken und mir das richtige Modell dann wieder liefern zu lassen.

Ich bin dann also da rein und werde von einer Uschi begrüßt, die da wirklich nur abgestellt wurde, um Leute zu begrüßen.

„Na, was können wir für dich tun?“, fragte sie mit einer Stimme, die darauf schließen ließ, dass sie eigentlich lieber Synchronsprecherin geworden wäre.

Den neuen Bestseller von Nicholas Sparks, bitte, schoss es mir durch den Kopf, doch mein Mund sagte, höchst eloquent: „Äh … ich hätte gern eine neue Brille.“

„Ach wirklich?“, rief sie begeistert. „HA-MMER! Finde ich ja wirklich toll, also wirklich richtig, richtig ME-GA!“

Und ich war einfach nur überfordert und dachte mir: Mädel, zu viel Commitment für zu wenig Sache. Ihre Reaktion ließ mich ernsthaft darüber nachdenken, ob ich aus Versehen „Ich will den Laden kaufen und dich mit fünfzig Prozent am Umsatz beteiligen“ gesagt habe.

Wenn ich in Berlin eine Brille kaufen will, erwarte ich mir eine andere Customer Experience. Da erwarte ich mir nach meinem dusseligen Brillen-Satz, dass die Verkäuferin sich im Laden umsieht und ganz nüchtern sagt: „Ham wa.“

 

So, genug Dampf abgelassen. Ich werde mich jetzt weiter meiner Darmgrippe widmen, die Viren mit Schokolade füttern und mich nebenbei fragen, wer eigentlich ständig behauptet, bei so Darm-Geschichten hätte man eh keinen Hunger. Naja, solange mich dieses Problem nicht plagt, kann es zumindest nicht allzu dramatisch sein. Und spätestens, wenn dieser Blogpost online kommt, ist die ganze Kacke hoffentlich vorbei. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Eure Julie,

die mit dem roten Lippenstift

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