In Personal

Fuck, ich bin Autorin!

Aus Rot und Blau wird Lila Julia Brandner

Der Titel ist gerade etwas gewagt, weil während ich diese Zeilen tippe, ist mein Buch streng genommen noch gar nicht erschienen und bei dem Glück, das ich bei diesem Projekt bisher hatte, sollte ich nichts verschreien. Während ich das hier schreibe, klopfe ich die ganze Zeit auf Holz. Es hätte vor zwei Stunden erscheinen können, wäre ich nicht so dämlich gewesen und hätte etwas Wichtiges vergessen … aber dazu später.

Ich habe bereits letztes Jahr im Mai angekündigt, mein Buch fertig geschrieben zu haben und habe allen schon Hoffnungen gemacht. Oft wurde ich ungeduldig gefragt, wann das Buch denn nun endlich erscheint und es hat mich selbst am meisten frustriert, keine Antwort darauf geben zu können. Ich will nicht lügen, es war eine schwere Geburt. Aber alles von Anfang an …

 

Die Suche nach einer Agentur

Gleich nachdem ich mein Buch Korrektur gelesen habe, machte ich mich daran, Exposés zu schreiben, zu formatieren und an zwölf verschiedene Agenturen zu schicken. Von wie vielen davon ich eine Antwort erhalten habe? Von einer.

Diese eine Rückmeldung war allerdings durchweg positiv, denn die Agentin schrieb mir, sie hätte meine Protagonistin ins Herz geschlossen und würde gerne weiterlesen. Ich schickte ihr daraufhin das gesamte Manuskript und bekam innerhalb kürzester Zeit eine wahnsinnig ausführliche Antwort, für die ich ewig dankbar sein werde. Mein Manuskript wurde abgelehnt, aber sie erklärte mir genau, wo meine inhaltlichen Schwächen lagen und wo ich übers Ziel hinausgeschossen bin.

Sie meinte noch abschließend, sie sei sowohl von meinem Schreibstil als auch von meinen Charakteren absolut überzeugt gewesen und würde sich freuen, eine gestraffte Version des Manuskripts zu erhalten.

 

Agentursuche 2.0

Was nach dieser Mail passierte? Ich konnte alle Kritikpunkte nachvollziehen und habe erkannt, dass ich das Projekt unnötig in die Länge gezogen habe – einfach, weil ich es noch nicht übers Herz gebracht hätte, meine Charaktere gehen zu lassen. Ja, so eine innige, kitschige Beziehung habe ich zu ihnen entwickelt. Und ich ließ das Buch erst mal drei Monate liegen. Ich fiel in ein Loch und konnte mich nicht dazu aufraffen, auch nur die Datei zu öffnen.

Wann dann schlussendlich der Punkt erreicht war, an dem ich sagte: „Julia, du machst das jetzt!“ weiß ich nicht mehr so genau. Aber er kam und ich arbeitete Nächte durch, um den Scheiß endlich erledigt zu haben. Das Manuskript hatte am Ende 60 Seiten weniger. Am 11. September schickte ich das fertig überarbeitete Manuskript ab und machte mich dann auf den Weg zum Flughafen, um nach Berlin zu fliegen. Oder auch nicht, aber das ist eine andere Geschichte.

Jedenfalls hieß es danach wieder: warten.

 

Nun kommt das Aber …

Diesmal wartete ich länger und wurde zunehmend nervös. Ich checkte wöchentlich alle E-Mail-Postfächer und schaute sogar nach, ob ich vielleicht versehentlich eine Mail der Agentur gelöscht habe. Aber hatte ich nicht.

Am 10. Dezember bekam ich endlich die lang ersehnte Nachricht: „Ich bin von Ihrem Schreibstil, Ihrem spritzigen Humor und der authentischen und starken Protagonistin sehr angetan und habe mit großem Vergnügen gelesen. Dafür erst einmal ein Kompliment. Sie ahnen es, nun kommt leider das Aber …“

Das Aber war, meine Handlung sei noch nicht rund genug, die Probleme zu konstruiert. Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, ich hätte einfach drüber gelacht und drauf geschissen. Tatsächlich habe ich mir erst mal eine Zigarette angezündet und geweint. Und bin wieder zwei Tage lang in ein Loch gefallen.

Dann erst kam der Stein ins Rollen. Ich dachte über die Kritikpunkte nach, zerdachte alle möglichen Lösungen und überlegte sogar schon, aus meiner männlichen Hauptperson eine Frau zu machen, bis ich feststellte, dass ich das nicht wollte und dann für mich selbst beschloss, darauf zu vertrauen, dass Schreibstil und Charaktere eine nicht hundertprozentig runde Handlung abfedern können. Dann halt Self-Publishing.

 

Entscheidungen über Entscheidungen

Ich habe das getan, was wohl jeder an meiner Stelle getan hätte: erst mal gegoogelt. Und jeder weiß auch, was passiert, wenn man googelt: Man wird erschlagen von Möglichkeiten und alles endet damit, dass man sich selber Krebs diagnostiziert.

Über dem ganzen Projekt stand ein einziges großes Fragezeichen. Lieber alle Anbieter direkt beliefern oder über einen Distributor? Mich exklusiv an Amazon binden oder lieber nicht? Welche Größe soll das Buch haben? Welche Schriftart nehme ich? Wie komme ich ans Cover? Und soll ich das alles wirklich machen? Ich kaufte mir schließlich einen Online-Kurs, der mir sehr weitergeholfen und mir meine Angst zumindest teilweise genommen hat.

Ich stellte durch diesen Kurs auch gleich fest, dass ich meinen ursprünglichen Buchtitel ändern musste, weil dieser schon anderweitig verwendet wurde und ich bis dato noch nichts von Titelschutz gehört hatte. Ich lag hysterisch lachend im Bett, wusste nicht, ob ich nicht eigentlich lieber weinen sollte, und ging meine Alternativen durch. Ich fand eine, dachte mir: „Scheiß drauf, wird schon passen“, änderte das Buch entsprechend … und stellte irgendwann fest, dass ich den Titel nicht mochte. Durch Zufall fiel mir beim Wäsche-Aufhängen mein jetziger Titel ein und ich war endlich glücklich damit.

 

Welches Cover nehme ich?

Der Titel stand endlich, nun brauchte ich ein Cover. Ich suchte im Internet nach Premade-Covern, verwarf diese Idee nach tausend Objekten, die mich alle nicht überzeugt haben, wieder und beschloss, etwas mehr Geld in die Hand zu nehmen und mir ein Cover designen zu lassen.

Die Designerin machte einen wahnsinnig geilen Job und ich war nun überfordert, weil ich mich schlussendlich zwischen zwei richtig guten Alternativen entscheiden musste. Ich habe dann festgestellt: Eine Entscheidung trifft sich nicht automatisch leichter, nur weil beide Alternativen geil sind und man de facto keine schlechte Entscheidung treffen kann. Ich habe meine beiden Favoriten stundenlang angestarrt, verglichen und mich für das Cover entschieden, bei dem es mir ein bisschen weniger das Herz gebrochen hätte, es nicht zu nehmen.

 

Was zur Hölle ist ein Bundsteg?

Und nun, wenn ich das schreibe, haben wir den 13. Februar 2020. Heute Vormittag, als ich auf der Arbeit war, habe ich meine langersehnte E-Mail mit meinem heiß ersehnten Buchumschlag bekommen – ich kann endlich mein Buch hochladen! Wahnsinn! Endlich mal ein guter Valentinstag!

Ich rannte fast nach Hause, kam mit Herzklopfen an, vergaß, dass ich eigentlich Hunger wie Sau hatte und dringend aufs Klo musste. Ich wollte endlich mein Baby zur Welt bringen. Ich fügte noch eine letzte Grafik ein und es passierte, was bei Word immer passiert, wenn man mit Grafiken arbeitet: Es zerfickt irgendwas. Bei mir waren es die Seitenzahlen, die daraufhin einfach nicht mehr vorhanden waren. Ich brauchte dreißig Minuten und ebenso viele YouTube-Tutorials und rezeptpflichtige Beruhigungsmittel, um es wieder so hinzukriegen wie vorhin.

Doch ich schaffte es, ich lud mein Manuskript hoch, lud das Cover hoch, wartete …

Und dann kam die Horrormeldung, vor der ich mich gefürchtet hatte: „Wenn Ihr Buch Fehler enthält, erfüllt es unsere Qualitätsstandards nicht. Damit Sie Ihr Buch veröffentlichen können, müssen Sie die Fehler korrigieren.“

Ich sah mir sofort an, wo denn jetzt der verdammte Fehler lag. Und dann die Meldung: „Bücher über 300 Seiten brauchen einen Bundsteg von mindestens 1,27 cm“

Ich schrieb sofort meiner halben WhatsApp-Kontaktliste: „Ich bin so ein Depp, ich hab beim Formatieren den Bundsteg vergessen!“

Von allen bekam ich innerhalb weniger Minuten die Antwort: „Was ist ein Bundsteg?“

Damit das jetzt niemand googeln muss: Ein Bundsteg ist der innere Seitenrand eines Buchs. Der muss ausreichend groß sein, damit man das aufgeklappte Buch auch wirklich lesen kann. Jetzt weiß ich das auch.

Ich formatierte mein Manuskript neu – und bekam dadurch 24 Seiten mehr heraus, weshalb mein ursprüngliches Cover nicht mehr passte. Der Buchrücken war zu schmal. Naja, selber schuld, ich habe draus gelernt. Zum Glück ist Laura Newman nicht nur eine wahnsinnig talentierte, sondern auch extrem liebe Designerin und so hatte ich das überarbeitete Cover nur wenige Stunden später bei mir. Und konnte endlich mein Buch hochladen. Ihr findet es ab sofort exklusiv hier (klicken).*

 

Wenn ich eins aus dieser Sache gelernt habe: So ein Buchprojekt ist wie ein Kind. Man liebt es abgöttisch (mal mehr, mal weniger) und dennoch ist es anstrengend, es kostet Zeit, Geld und vor allem Nerven. Und vor allem freue ich mich, dass es nun endlich aus dem Haus ist und ihr es nun endlich alle lesen könnt! Kauft es, schenkt es euren geliebten Verwandten (beziehungsweise den ungeliebten, wenn ihr es kacke findet) und lasst mich wissen, wie es euch gefällt!

Eure Julie,

die sich nun endlich offiziell Autorin nennen darf

 

 

*Affiliate-Link: Wenn du über diesen Link kaufst, bekomme ich eine kleine Provision. Für dich entstehen dadurch keine Nachteile.

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2 Comments

  1. Lonelyroadlover
    1 Monat ago

    Super spannend. Ich wäre auch drölfzig Mal zusammengebrochen und hätte es vermutlich nie beendet aus Depression. Also Hut ab, dass du trotzdem nicht aufgegeben hast und dich durchgeboxt hast. Wie machst du das denn jetzt mit dem Marketing und dass es überhaupt jemand findet und liest? Ich hatte immer echt Bammel vor self publishing… Dass es irgendwo auf Seite 80 von Amazon gammelt und niemand es je sieht. 🙁😳
    Gaaaanz viel Erfolg dir!! ❤️
    Sarah

    Reply
    1. Julie
      1 Monat ago

      Danke liebe Sarah!
      Ich glaube scheitern ist immer noch besser als es gar nicht erst zu versuchen 😉 Ich hab das Ganze jetzt mal mit meiner Instagram- und Facebook-Reichweite vorangetrieben, werd aber auch noch eine Leserunde bei LovelyBooks starten und mir auch noch weitere Maßnahmen überlegen 🙂
      Liebe Grüße
      Julia

      Reply

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