In Column

Die Freuden und Leiden eines Umzugs

In fast genau zwei Wochen ist es endlich so weit: Ich werde den Wohnort wechseln und in die Hauptstadt ziehen. Ein schönes, großes WG-Zimmer ist gefunden, für mein Traumstudium eingeschrieben bin ich ebenfalls, jetzt wird’s langsam ernst. Es ist das erste Mal, dass ich von zuhause ausziehe. Und ja, ich bin aufgeregt. Wenn auch nicht im Entferntesten so sehr wie meine Mutter. Ihrem Nervositätslevel zu urteilen, ziehe ich nämlich nicht in eine Altbauwohnung im dritten Wiener Bezirk, sondern zelte am Gaza-Streifen. Oder noch schlimmer, in Favoriten.

„Schatzi, wir müssen uns überlegen, wie wir das machen. Wir brauchen noch eine Matratze, einen Schreibtisch… Hast du dort Kochtöpfe?“, bekam ich in den letzten zwei Wochen in regelmäßigen Abständen von ungefähr zehn Minuten zu hören. Und regelmäßig verdrehte ich daraufhin die Augen im Rhythmus von „That don’t impress me much“ und ließ nur ein Geräusch verlauten, das sich irgendwo zwischen einem Presslufthammer, „Chill deine Basis“ und Walgesängen einpendelte – wusstet ihr übrigens, dass Walgesänge bis zu sechs Strophen haben und sich sogar nach geografischer Region unterscheiden? Aber ich schweife ab.

Letztens hat jedoch auch mein stressresistentes Hirn eingesehen, dass es langsam mal an der Zeit wäre, mich um Möbel zu kümmern. Gut, ich hab also nachgegeben und fuhr mit Mama zu Ikea. Nachdem wir uns erstmal Pommes genehmigt haben – man geht nicht einfach zu Ikea, ohne Pommes zu essen! – fragten wir an der Info nach, ob man die Sachen denn hier aussuchen und kaufen und dann zu einem gewissen Termin nach Wien geliefert haben könnte. Nach ungefähr drei Missverständnissen erklärte uns die nette Infodame (keine Ironie, die war wirklich nett!), dass wir uns die Sachen oben zusammensuchen und von den Mitarbeitern auf eine Liste drucken lassen sollen, um dann schließlich mit dem gesamten Ding einen Liefertermin zu vereinbaren.

Gut, so weit, so klar. Wir liefen also zu den Matratzen.

„Ich bräuchte eine Matratze, die für Bauchschläfer geeignet ist“, überforderte ich daraufhin gleich mal das Personal. Aber kein Problem. Ich hatte gerade davor in der Arbeit einen Artikel über die unterschiedlichen Schlaftypen geschrieben und wusste daher, worauf es ankam. Nur ob mittelfest oder fest, das war so eine Sache.

„Also bei deiner Statur würde ich eine mittelfeste empfehlen“, sagte die ebenfalls unironisch nette Verkäuferin und während ich darüber nachdachte, ob das nun ein Kompliment oder ein versteckter Hinweis darauf, dass ich länger kein Fitnessstudio von innen gesehen habe, sein sollte, klärte Mama das mit dem Liefertermin. Jo, Matratze ist da, kann geliefert werden, sogar das Zeitfenster können wir uns aussuchen. Perfekt.

„Für den Rest müssen Sie allerdings in die anderen Abteilungen, das kann ich nicht machen“, hieß es dann. Gut, kein Problem, ab zu den Billy Regalen. Da kam uns gleich der Gedanke, wir können ja gleich eine Kommode suchen. Hab auch schnell eine gefunden. Das weiße Teil mit dem melodisch klingenden Namen TYSSEDAL sollte es werden.

„Ich kann Ihnen da jetzt nicht nachschauen wegen des Termins. Aber die ist sicher da, können wir garantiert liefern, von der verkaufen wir nicht so viel“, versicherte uns die Mitarbeiterin, ohne nachzusehen. Die Billy Regale müsste allerdings jemand anderer erledigen, das können sie nicht.

Gut, ab zum nächsten Schalter. War keiner da. Dasselbe beim nächsten. Schließlich landeten wir in der Küchenabteilung.

„Okay, Billy Regale krieg ich grad noch hin“, sagte der Typ dort. „Das andere kann ich aber nicht, da müssten Sie zum nächsten gehen.“

Schon leicht genervt lief Mama in die falsche Richtung, da es dort sicher eine Abkürzung gäbe – gab es nicht. Wir rannten durch die Regal-, Matratzen-, Betten- und Wohnzimmerabteilung zum Eingang zurück und legten dabei einen gefühlten Halbmarathon zurück. Dort erwischte es dann ein Mädel, dem die Überforderung wegen der Frage, ob man nach Wien liefern könnte, ins Gesicht geschrieben stand – es endete damit, dass Mama und sie sich fast schon anschrien und ich hilflos daneben stand und überlegte, ob ich eine Instastory draus machen sollte.

Das Handy blieb in der Tasche und irgendwann klärten sich die Missverständnisse so halbwegs auf und wir bekamen die restlichen Möbelstücke noch auf die Liste. Mit mehr Zetteln als ich in meiner ganzen Unikarriere je beschriftet habe gingen wir zurück zur netten Infodame vom Anfang, Liefertermin fixieren.

„Ja, soweit passt eigentlich alles mit der Bestellung“, sagte sie die Worte, die wir von Anfang an hören wollten. Ich ahnte jedoch Schlimmes. Und ich sollte nicht enttäuscht werden. „Es gibt nur eine kleine Sache, die nicht lieferbar ist… Und das ist die TYSSEDAL Kommode.“

Tja, darauf noch eine Portion Pommes.

Eure Julie,

Die mit dem roten Lippenstift

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2 Comments

  1. Armita
    1 Jahr ago

    Oder doch lieber einen hod dog????

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    1. Julie
      1 Jahr ago

      Hot Dogs sind auch super 😀

      Reply

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