In Column

Das musst du einfach aushalten

Es war an einem Sonntag. Diesen Sonntag, um genau zu sein. Ich war auf Weg vom Karlsplatz zum Stephansplatz, wo ich mit meinen Freunden zum Mittagessen verabredet war. Da die U-Bahn sonntags ziemlich beschissen fährt, war ich schon ziemlich spät dran, weshalb ich schnellen Schrittes ging. Ich hatte die Musik meines iPods voll aufgedreht, weshalb ich nur durch Zufall bemerkte, dass mich jemand anquatschte.

„Entschuldigung…. Sprichst du deutsch?“, fragte mich ein junger Mann. Ich nickte, ließ die Ohrstöpsel aber in meinem Ohr und ging weiter. „Das soll jetzt kein Überfall sein… Aber du bist echt hübsch.“

Er war nicht mein Typ, aber da er zumindest nicht unfreundlich war, bedankte ich mich nur schnell und ging weiter. Nach ein paar Schritten merkte ich, dass er mir folgte.

„Ich weiß, das kommt jetzt wahrscheinlich total strange, aber…“, hörte ich ihn durch meine Kopfhörer sagen.

„Ja, tut es“, sagte ich schärfer als beabsichtigt. Die Situation war mir unangenehm und ich holte mein Handy heraus, um einen meiner Freunde anzurufen, falls der Typ mir weiter folgte.

„Du gefällst mir wirklich gut“, sagte er.

„Ja, sagtest du bereits.“

„Was machst du jetzt?“, fragte er und wurde immer aufdringlicher.

„Gehen“, antwortete ich knapp.

„Und wohin? Kann ich dich begleiten?“

„Nein, ich bin verabredet“, sagte ich und musste mich zusammenreißen, um nicht zu rennen. Da ließ er mich endlich in Ruhe, doch ich drehte mich noch einige Male um, um zu sehen, ob er mir folgte.

In solchen Situationen war ich schon des Öfteren, und die hier beschriebene war noch eine von den harmloseren. Gerade im ersten Bezirk laufen viele Männer, vor allem Touristen aus dem arabischen Raum (soll kein Rassismus sein, das ist nur meine Beobachtung, ich wünschte selbst, ich könnte was anderes schreiben), herum, die offenbar der Meinung sind, sich alles erlauben zu können, nur weil sie Geld haben. Ein Grund, weshalb ich angefangen habe, die Gegend um den Stephansplatz zu meiden, wenn ich alleine bin – und weil mir die dämlichen Mozarttypen, die einem überteuerte Konzerttickets verkaufen wollen, so auf den Sack gehen, aber das ist ein anderes Thema.

Was mich an diesen Situationen so stört, ist aber nicht nur die Tatsache, dass sie passieren. Für mich sind auch die Reaktionen von anderen schlimm. Sobald ich jemandem erzähle, was mir passiert, bekomme ich nämlich meist dieselbe Antwort: „Du bist eben hübsch, das musst du aushalten.“

Und ich frage mich: Muss ich das wirklich? Muss ich es mir wirklich gefallen lassen, dass mich Männer auf der Straße niveaulos angraben? Soll ich es „einfach aushalten“, dass mir wildfremde Menschen hinterherlaufen und mir Angst machen? Und das nur, weil ich mir kein Papiersackerl über den Kopf stülpen muss, damit man meine Optik erträgt? Entschuldigung, ich kann nichts für meine Gene. Ich kann auch nichts dafür, dass offenbar manche Leute ebendiese Gene als hübsch empfinden. Und selbst, wenn ich etwas dafür könnte, habe ich deswegen noch lange keinen Vertrag unterschrieben, der festhält, dass ich solche Situationen einfach hinnehmen muss.

Seit der #metoo-Debatte hat sich offenbar einiges getan. Man spricht über sexuelle Belästigung, statt sie totzuschweigen. Doch Verständnis sucht man weiterhin vergeblich.

Ja, meine Situation mag harmlos erscheinen, im Vergleich zu dem, was andere Frauen durchmachen müssen. Aber jedes niveaulose „Geiler Arsch“, das einer Frau hinterhergeworfen wird, ist schon zu viel. Gut, Idioten wie diese wird es noch eine Weile geben, leider. Die lassen sich nicht so schnell ausrotten. Aber warum muss es immer noch Menschen geben, die solche Dinge verharmlosen? Ich finde, das trägt nicht dazu bei, das Problem zu lösen. Es ist Teil des Problems.

„Stell dich nicht so an, ist doch nicht so schlimm“, ist einer der Sätze, bei denen mir das Kotzen kommt. Ja, mag sein, dass der Typ, der mir hinterhergelaufen ist, wirklich nur quatschen wollte, und keine bösen Absichten hatte. Aber ob ich das als störend empfinde oder nicht, werde ich wohl noch selbst entscheiden dürfen!

Ich bin eine junge, selbständige Frau. Ich möchte mich wie eine Frau anziehen, möchte auf mein Äußeres achten und möchte vor allem, dass man mir mit Respekt begegnet. Und dazu gehört für mich, mir nicht hinterherzulaufen, mir keine frauenverachtenden Sprüche hinterherzurufen, mich nicht gegen meinen Willen anzufassen – aber auch, mir nicht zu sagen, dass ich manche Dinge einfach hinnehmen muss, nur weil ich aussehe, wie ich aussehe.

Eure Julie,

Die mit dem roten Lippenstift

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Posted on 23. April 2017

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3 Comments

  1. Pe
    6 Monaten ago

    Hallo, trägst du in solchen Situationen Lippenstift? Dein blog heißt so… daran könnte es liegen, das ist für viele Männer ein sexuelles SIgnal, eine Aufforderung. Ich hatte mal eine Freundin, die trug immer ganz dunklen Lippenstift, fast schwarz. Die wurde dauernd angemacht und war schon ganz verzweifelt.. Lippenstift weg und es hörte auf. Passiert aber vor allem bei auffällig roten oder dunklen Lippenstiften.

    Reply
    1. Julie
      6 Monaten ago

      Sorry, aber den Kommentar finde ich einfach nur blöd. Um deine Frage zu beantworten – nein, trage ich nicht. Ich möchte mich aber dennoch sicher fühlen, unabhängig davon, ob ich Lippenstift trage oder nicht.

      Reply
  2. zillibus
    3 Tagen ago

    Discothek… Sieh und beobachte. Die Mädels zeigen was sie haben und die Typen benehmen sich schlimmer als Schimpansen.

    Ich glaub das is da einfach ne Fehl Konditionierung im Suffkopf.

    Mänchen signalisiert Interesse, Weibchen reagiert…
    Normalerweise sehr simpel. Checkt aber nicht jeder…. Bzw. Sehr wenige

    Reply

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