In Mimimi-Montag

„Du warst mal wieder nicht erreichbar!“

Eine neue Woche ist angebrochen und nach dem kurzen gestrigen Schnee-Intermezzo lacht heute die Sonne wieder und taucht die Hauptstadt in ihr schönstes Licht. Während ich von meinem Schreibtisch aus auf meine wunderschöne Leopoldstadt blicke und an ein tolles Wochenende zurückdenke, fällt es mir regelrecht schwer, einen Mimimi-Montag zu schreiben. Nach diesem genialen Wochenende mit noch viel genialeren Menschen wäre mir eher nach einem Hihihi-Montag. Aber da das extrem bescheuert klingt, werde ich nicht aus meinem gewohnten Muster fallen, sondern die Lobeshymnen auf einen anderen Tag verlegen.

Katerphasen

Ach, es ist so schön, hin und wieder mal Alkohol zu trinken. Vor allem, wenn liebe Freunde dabei sind und sich mit einem betrinken. Alkohol enthemmt und lockert die Zunge, man führt lustigere Gespräche und lacht viel mehr. Außerdem weiß dann auch der ganze Freundeskreis, wie lieb man ihn hat und man denkt für ungefähr zehn Minuten, dass es mit der Gesangskarriere ja doch noch was werden könnte.

Ja, angeheitert zu sein, hat durchaus seine Annehmlichkeiten. Wäre da nur nicht der Morgen danach, bei dem man um 7 Uhr aufwacht, sich vor lauter Kopfschmerzen und Übelkeit kaum rühren kann und dann auch noch weder fähig ist, einzuschlafen, noch etwas bei sich zu behalten. Ja, ich weiß, selbst schuld. Was schlage ich auch vor, Bowle zu machen? Das endet bei mir selten gut. Aber scheiß drauf, man ist nur einmal jung und zweimal im Jahr einen Kater zu haben, ist mit 22 absolut vertretbar.

Brillen im Winter

Was wäre ein blindes Huhn wie ich ohne Brille? Als ich mit 12 meine erste Brille bekommen habe, habe ich sie so wenig wie möglich getragen, weil ich sie so hässlich fand und so unter meiner Brillenschlangen-Optik gelitten habe, weshalb ich bald auf Kontaktlinsen umgestiegen bin. Aber die Welt entwickelt sich weiter und so werden auch Brillen immer schöner. Letztes Jahr habe ich mir mal wieder eine neue Brille machen lassen, mit der ich mehr als zufrieden bin und die ich tatsächlich wieder gerne trage – es sei denn, es ist Winter.

Wenn es draußen kalt ist, regnet oder schneit, ist eine Brille nämlich nicht nur eine Sehhilfe oder ein Accessoire, das einen intelligenter wirken lässt. Im Winter ist eine Brille vor allem eins: extrem unpraktisch. Wenn es regnet oder schneit, bräuchte man einen kleinen Brillenscheibenwischer, um etwas zu sehen (sollte jemand so etwas erfinden wollen, sagt Bescheid, ich investiere!) und wenn es einfach nur kalt ist, sieht man auch wieder nix, sobald man mal wieder reingeht, weil die Gläser so stark beschlagen, als hätte man gerade Nudelwasser abgegossen. Grauenhaft. Daher: Winterzeit ist Linsenzeit.

Schlechte Organisation in Geschäften

Ich beschreibe nun einen Fall, der mir letzten Freitag passiert ist. Meine liebe Mama wollte mir etwas Gutes tun und hat mir in einem Möbelhaus einen Wischmopp inklusive Kübel gekauft, damit ich meine neue Wohnung nicht sofort wieder verdrecken lasse – was zumindest bis zum heutigen Tag auch tatsächlich noch nicht passiert ist. Jedenfalls stellte es dann einen solchen Kraftakt dar, dieses blöde Ding zusammenzuschrauben, dass unsere gesamte Muskelkraft nicht dafür ausreichte, weshalb wir beschlossen, das Teil zurückzugeben.

Von besagtem Möbelgeschäft gibt es in Wien mehrere Filialen, die alle so ziemlich am Arsch der Welt sind, und da man mir am Telefon gesagt hatte, es sei egal, wo ich ihn zurückgebe, beschloss ich, zu der zu fahren, die von meiner Residenz aus am wenigsten beschissen zu erreichen ist. Nachdem ich mich mit einem Riesenkübel in der Hand zur Rush-Hour durch U2, Praterstern und U1 gequetscht habe, sagte die ungute Verkäuferin im Laden knapp zu mir, sie könne ihn nicht zurücknehmen, er sei nicht im Sortiment. Es gebe zwar eine Zentrale, aber hin und herfahren wollen sie nicht. Daran gab’s auch nix zu rütteln. Also hatte ich heute einen Tagesausflug in den 22. Bezirk auf der Agenda, der mich rund zwei Stunden meines Lebens gekostet hat – wofür ich aber zumindest mit der Erkenntnis belohnt wurde, dass ich niemals in den 22. Bezirk ziehen möchte.

„Da warst du schon wieder nicht erreichbar“

Wir alle kennen diese Menschen, die immer zu den unpassendsten Zeiten anrufen. Entweder rufen sie an, wenn man in der Vorlesung sitzt, unter der Dusche steht oder auch einfach mal keinen Bock hat, mit jemandem zu sprechen und freundlich zu sein. Und wenn man sich dann eh schon die Mühe macht, sie zurückzurufen, obwohl sie ihr Anliegen auch in einem WhatsApp-Zweizeiler erläutern könnten, bekommt man als erstes ein vorwurfsvolles: „Ich hab dich eh schon angerufen, aber da hab ich dich mal wieder nicht erreicht!“ zu hören.

Ja, und was genau soll ich darauf antworten, liebe Sieglinde? Soll ich mich jetzt dafür rechtfertigen, dass ich einen Stoffwechsel habe, der es erfordert, dass ich hin und wieder mal kacken gehe? Oder dass mir meine Bildung wichtiger ist als der aktuelle Gesundheitszustand deiner Katze Miezi? Kannst du lange warten. Ich habe zwar einen Handyvertrag, aber in dem steht kein Wort davon, dass ich rund um die Uhr erreichbar sein muss. Außerdem habe ich das Game of Thrones Intro als Klingelton, damit ich schöne Musik hören kann, während ich die Menschen ignoriere.

Meine Lieben, das war’s auch schon wieder mit dem heutigen Mimimi-Montag! Ich hoffe, ihr habt ihn genauso genossen wie ich und geht nun positiv in die neue Woche. Denn das ist auch eines der Begleitziele dieses wundervollen Tages – man lässt am Montag ein bisschen Dampf ab, damit der Dienstag umso besser wird 😉

Eure Julie,

Die mit dem roten Lippenstift

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