In Mimimi-Montag

Zwischenmenschliche Kommunikation und ihre Tücken / Der Mimimi-Montag

Ich bin ja durchaus ein Mensch, der wöchentlichen Routinen nicht abgeneigt ist. Zum Beispiel hatten meine Mama und ich, als ich noch daheim gewohnt habe, die Angewohnheit, jeden Mittwochabend zu Ikea zu gehen und dort Pommes zu essen. Was habe ich dieses Ritual genossen! Nun verbringe ich meine Wochentage zumeist in meiner neuen Wahlheimat Wien und was man dort ganz schnell lernt, ist das Sudern, also das Meckern über jeden Schei*. Das ist wohl mit einer der Gründe, warum ich mich für Wien entschieden habe, denn hier ist ein bisschen Mimimi nicht nur erlaubt, es gehört sogar zum guten Ton. Und nach diesem Motto geht nun meine neue Wochenserie online: Willkommen beim Mimimi-Montag, wo ich mich jede Woche über ein paar Dinge auslasse, die mich aufregen. Mimimi-Mittwoch hätte zwar eine schönere Sprachmelodie gehabt, aber ich finde der Montag ist einfach prädestiniert, um ein bisschen Frust abzulassen. Mitsudern ist erwünscht!

Naaaa?

Allen voran möchte ich nun meinem Unmut über das Unwort, bzw. die Unfrage „Na?“ Luft machen. Ich hasse es wirklich, wenn mich Personen mit „Na?“ anschreiben. Ich habe einfach keine Ahnung, was diese Menschen von mir erwarten. Mal ganz im Ernst – was soll dieses „Na?“ ausdrücken? Ist das ein Synonym für Hallo? Ist es eine Frage nach meinem Befinden? Will mein potenzieller Gesprächspartner wissen, wie es um meine Finanzen steht, wie es meiner nicht vorhandenen Katze geht oder wie die Chancen stehen, dass ich heute Abend Zeit habe – worauf meine Antwort übrigens in neun von zehn Fällen ganz österreichisch ebenfalls „Na“ lauten würde, aber nicht mit einem Fragezeichen dahinter.

Wenn mich jemand mit diesem Wort anschreibt, braucht er sich nicht wundern, wenn ich ihn ignoriere. Ich mache das nicht, weil ich ein unsympathischer Mensch bin, ich weiß einfach nicht, wie die Antwort auf eine Frage lauten soll, deren Sinn ich nicht verstehe. Gut, manchmal habe ich auch tatsächlich keinen Bock, mich zu unterhalten, aber darum soll es ja jetzt nicht gehen.

Menschen, die Sprachnachrichten verschicken

Ich möchte den Tag verfluchen, an dem WhatsApp die Sprachnachrichten-Funktion eingeführt hat. Und damit bin ich ganz sicherlich nicht alleine. Ich kenne keinen einzigen Menschen, der mir ehrlich ins Gesicht sagen kann, dass er gerne Sprachnachrichten bekommt. Es ist auch einfach unpraktisch. Da sitzt man vielleicht in der U-Bahn oder in der Uni oder ist in der Arbeit und vertreibt sich die Zeit mit ein paar lustigen Nachrichten über WhatsApp und dann kommt der andere plötzlich auf die glorreiche Idee, eine Sprachnachricht zu schicken, die ich in den meisten Fällen gerade nicht anhören kann, wodurch sich der Verlauf der Kommunikation wieder um Lichtjahre verschiebt.

Am schönsten ist es außerdem, wenn die Sprachnachricht zwei Minuten dauert und man sich beim Antworten an all die Dinge erinnern muss, die gesagt wurden, damit sich der andere nicht übergangen fühlt. Einfach anstrengend. Wenn jemand mir sein Anliegen nicht in ein paar Sätzen per SMS oder Messenger seiner Wahl schreiben kann oder will, was spricht bitte dagegen, mich einfach anzurufen?

Leute, die ohne Punkt und Komma reden

Es gibt diese Menschen, bei denen man einmal den Fehler macht, sie zu begrüßen, und sich danach am liebsten selbst ohrfeigen würde. Denn sobald man ihnen ein freundliches „Hallo“ zugeworfen hat, ist es, als hätte man eine Steinlawine ins Rollen gebracht – nur mit Worten statt Steinen versteht sich. Ich habe da eine ehemalige Studienkollegin, nennen wir sie mal Lena, bei der es genau auf diese Weise funktioniert. Man sagt Hallo und als Antwort bekommt man: „Oh hallo Julia, lange nicht mehr gesehen! Wie geht’s dir? Also ich muss dir sagen, mir geht es ganz, ganz schlecht! Ich bin so nervös, weil ich nächste Woche diese anstrengende Prüfung habe, für die ich noch nichts getan habe und das schlägt mir ja immer so auf den Magen, weißte? Jetzt war ich letzte Woche sogar bei einer Darmspiegelung, weil ich immer so verstopft war, wenn du verstehst, was ich meine, und ich kann dir gar nicht sagen, wie unangenehm mir das war, da vor denen quasi mein Innerstes zu offenbaren….“

Ja, mir ist es auch unangenehm, dein Innerstes offenbart zu bekommen, liebe Lena! Danke der Nachfrage, mir geht es jetzt auch schlecht, ich muss nach deinem Monolog zum Ohrenarzt. Tschüsselchen!

Menschen mit beschissenem Deutsch

Nein, keine Sorge, ich lasse jetzt nicht meinen inneren Rassisten raus. Rassistisch bin ich nur beim Autofahren, aber dieser Rassismus richtet sich hauptsächlich gegen die Nachbarbezirke in Form von Sätzen wie „Kann man in Innsbruck-Land nicht blinken, du Wichser?“. Nein, ich habe jetzt nicht vor, über Migranten oder gar Touristen zu schimpfen, die nicht perfekt Deutsch können. Ich kann ja auch nicht alle Sprachen der Welt. Mein Italienisch beschränkt sich trotz meiner geografischen Nähe zur italienischen Grenze auch nur auf „Un Aperol Sprizz per favore“ und diverse Schimpfwörter.

Was mich aber aufregt, sind deutsche Muttersprachler, die den Unterschied zwischen „das“ und „dass“ sowie „seid“ und „seit“ nicht kennen. Das ist doch bitte echt nicht so schwer! Am besten gefallen mir dann auch die Menschen, die mir dann an den Kopf werfen, ein ignorantes Arschloch zu sein, weil Fehler ja menschlich sind und dass ich nicht voraussetzen kann, dass das jeder weiß. Doch, ich gehe leider automatisch davon aus, dass jemand, der mit der deutschen Sprache aufgewachsen ist, die Unterschiede in der Schule gelernt hat! Ist es zu wirklich viel verlangt, die Basics der eigenen Muttersprache zu beherrschen? Sorry, aber Menschen, die Sätze wie „Dass Einzigste, dass ich wissen muss, ist, das ihr bei mir seit“ schreiben, kann ich einfach nicht ernst nehmen.

So, das war mein erster Mimimi-Montag und wie ihr vielleicht gesehen habt, wurde es versehentlich zu einem reinen Meckerpost über Menschen und ihre Eigenarten in der Kommunikation. Und ich könnte noch ewig so weitermachen, aber dann hätte ich keinen Stoff mehr für die nächsten Wochen – und ich plane noch einige Posts in diese Richtung, da möchte ich nicht gleich zu Beginn mein ganzes Pulver verschießen. Was hat euch in letzter Zeit so aufgeregt? Schreibt es mir gerne in die Kommentare!

Eure Julie,

Die mit dem roten Lippenstift

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Posted on 6. September 2017

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18 Comments

  1. Carina
    3 Wochen ago

    Hallo liebe Julie,
    bei „Na?“ und „Sprachnachrichten“ muss ich mich echt anhängen. Da ich ja noch immer studiere, bringen mich diese
    beiden Sachen zurzeit echt zur Weißglut. Denn meistens habe ich es denen schon zick Mal gesagt, dass ich das nicht möchte. :-S

    Genauso wie mich überflüssige Fragen wie „Geht’s vorran?“, etc. von meinem Arbeitskollegen nerven, denn meist fragt er das nicht einmal, sondern zick Mal am Tag.

    Liebe Grüße,
    Carina.

    Reply
    1. Julie
      2 Wochen ago

      Danke für deinen Kommentar liebe Carina!
      Ja, ich kenne das. Die meisten schicken mir jetzt eh schon keine Sprachnachrichten mehr, weil sie wissen, dass ich darauf nicht antworte 😀
      Diese Fragen nerven mich auch. Meist ist das ja auch extrem kontraproduktiv, weils einen nur unter Druck setzt.
      LG Julie

      Reply
  2. Nicci Trallafitti
    3 Wochen ago

    Liebe Julie,
    ein sehr witziger Beitrag, danke dafür 😀
    Ich mag Sprachnachrichten tatsächlich ganz gerne, weil ich Telefonieren hasse.
    Das mit dem seid seit und dass das regt mich auch fürchterlich auf, genauso wie als und wie.
    Schöner wie du. Da kriege ich die Krise!

    Liebe Grüße,
    Nicci

    Reply
    1. Julie
      2 Wochen ago

      Danke liebe Nicci! Es freut mich, dass dir der Beitrag gefallen hat!
      Ich hasse telefonieren auch! Ich mag’s trotzdem lieber, wenn mir jemand einfach ne Textnachricht schickt 😀
      Oh ja, I feel you! „Schöner wie“ sollte verboten werden!
      Liebe Grüße,
      Julie

      Reply
  3. Gabi
    3 Wochen ago

    Ha ha ha…sehr amüsant und so treffend!

    Reply
    1. Julie
      2 Wochen ago

      Danke liebe Gabi! 🙂

      Reply
  4. derhilden
    3 Wochen ago

    Sehr schöne Kategorie! 😀 Und nach der weitläufigen Meinung auch am passenden Wochentag, auch wenn ich persönlich den Montag sehr gerne mag. :3
    Ich finde auch Sprachnachrichten toll. Vor allem bei den besonderen Leuten in meinem Leben freue ich mich darüber immer sehr.*-* Und man kann die übrigens auch wie bei einem Telefonat direkt am Ohr hören, das macht es in der Bahn oder so auch einfacher. 😀
    Ok, jetzt hab ich wahrscheinlich das Ziel verfehlt, weil ich mich über nichts beschwert habe, also danke ich dir einfach für deine immer wieder erfrischenden Beiträge! 😀

    Reply
    1. Julie
      2 Wochen ago

      Danke lieber Sebastian, ich freu mich immer so über deine lieben Kommentare!
      Mein Handy kriegt es leider aus irgendeinem Grund nicht hin, dass ich Sprachnachrichten direkt am Ohr hören kann, sondern dreht sie dann immer ab. Wahrscheinlich habe ich diese Antipathie nur aus diesem Grund^^
      Und du musst dich über nix beschweren, ich lese auch gerne positive Dinge 😉
      Liebe Grüße!

      Reply
      1. derhilden
        2 Wochen ago

        Immer gerne! :3
        Hm, das ist natürlich suboptimal. Dann kann ich deine Abneigung durchaus verstehen, mich würde es auch ein wenig stören, jeden Mitfahrer in der Bahn über die Gespräche meiner Freunde zu informieren. 😀

        Reply
  5. bewegend-begeistern
    3 Wochen ago

    Hallo Julie, immer wieder ein Hot Spot, Deine Blog´s. Meine Tochter und ich nennen solche Erlebnisse „quatschiquatschiquatschi“ 🙂 Ab meinem 35igsten Lebensjahr hab ich beschlossen keine „dasgehörtsichso“ Floskeln und Besuche mehr anzuwenden, Du wirst es nicht glauben: Meine Ohren und Nerven danken es mir täglich. Zum Thema auch mein Lieblingshasssatz: „ich geh noch schnell in die Billa“
    lg ingrid

    Reply
    1. Julie
      2 Wochen ago

      Danke liebe Ingrid!
      „In die Billa“ oder „in die Ikea“ finde ich auch ganz ganz schlimm, also ich fühle mit dir 😀
      Und die „gehörtsichso“ Besuche sind immer wieder schlimm. Die Lebenszeit sollte man definitiv sinnvoller nutzen.
      Liebe Grüße,
      Julie

      Reply
  6. Christine
    3 Wochen ago

    Sehr sehr witzig und ziemlich nah an dem, was ich so gut wie immer denke. Am Schlimmsten ist für mich, wenn der Satz mit „nää“ beendet wird. Ich meine, wofür soll das gut sein? 😀
    Und Mimimi-Montag passt perfekt ins Bild. Da kann der Montag nur perfekt beginnen.

    Liebe Grüße
    Christine

    Reply
    1. Julie
      2 Wochen ago

      Danke liebe Christine!
      Dass Sätze mit „Nää“ beendet werden, ist in Österreich zum Glück eher unüblich. Bei uns beendet man Sätze eher mit „oder“ oder „ge“ 😀 Mach ich auch hin und wieder unabsichtlich und schäme mich dann dafür 😀
      Es freut mich, dass dir das neue Format gefällt!
      Liebe Grüße,
      Julie

      Reply
  7. Kathi
    2 Wochen ago

    aaaaaahhhhh, ich liiiiiebe sprachnachrichten!

    Reply
    1. Julie
      2 Wochen ago

      Na echt? Ich find die soooo schlimm 😀

      Reply
  8. Sophie
    1 Woche ago

    Scherz beiseite! 😉
    Mir ist auch schon aufgefallen, dass ein reines „Na“, unverständlich und irritierend ist.
    Deswegen benutze ich „Na“ immer als Synonym für ein Hallo, und in einem Zusammenhang. Na, Omi, wie gehts? Na, was hast du jetzt vor? Ich nutze es, um dem anderen zu signalisieren, dass ich jetzt etwas über ihn erfahren will. Mein Interesse an ihm ist ehrlich gemeint und wohlwollend, und das „Na“ findet zu meist nur in einem entspannten Umfeld Gebrauch.
    „Na“ ist also sehr wohl ein berechtigtes Wort!

    Reply
    1. Julie
      1 Woche ago

      Wenn es im Zusammenhang mit einem anderen Satz steht, stimme ich dir absolut zu, da passt es auch. Mich irritiert nur ein reines “Na?“ 😀

      Reply
  9. Geschwisterliebe & schlechtes Deutsch :=: Freitagslieblinge am 13.10.2017 – Puppiluppi
    5 Tagen ago

    […] auf dem Blog von Julie herum (das ist die mit dem roten Lippenstift) und las völlig entzückt einen Artikel aus der Kategorie Mimimi-Montag. Julie schreibt dort unter anderem über ihre nicht vorhandene […]

    Reply

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