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Einfach mal Nein sagen!

Wann hast du das letzte Mal „Nein“ gesagt, ohne dich weiter dafür zu rechtfertigen? Ich muss zugeben, dass ich diese Frage nicht beantworten könnte. Dabei ist es so unglaublich wichtig, auch mal Dinge abzulehnen, die man nicht will. Sei es die Frage von einem netten, aber uninteressanten Verehrer, ob man ihm seine Nummer geben wolle, oder die Bitte vom Chef, am Wochenende zu arbeiten, obwohl es nicht im Vertrag steht. Das sind Dinge, die man wirklich getrost ablehnen darf. Tut man aber viel zu selten, aus Angst vor Ablehnung, übler Nachrede oder anderen Konsequenzen.

Inspiriert zu diesem Beitrag hat mich ein Gastartikel von Vanessa Beyer auf Lettersblog. Zwar geht es in ihrem Beitrag darum, warum man als freier Texter auch mal Nein sagen sollte, aber ich finde, das lässt sich auch problemlos auf das alltägliche Leben anwenden. Vor allem dieses Zitat, mit dem sie den Beitrag eingeläutet hat, hat mir dabei sehr gut gefallen:

Wenn du Ja zu anderen sagst, pass auf, dass du nicht Nein zu dir sagst.“

Paulo Coelho

Denn genau das passiert, wenn wir uns mal wieder den Wünschen anderer beugen, und unsere eigenen dafür vernachlässigen. Warum tun wir das? Eigentlich widerspricht das der Behauptung, dass der Mensch grundsätzlich egoistisch ist. Allerdings auch wieder nicht. Aber warum wird so oft Ja gesagt, obwohl Nein gemeint ist?

Du hast Angst, von anderen abgelehnt zu werden

Und genau von dieser Angst solltest du dich verabschieden. Stell dir mal selbst die Frage: Wen kannst du mehr respektieren? Jemanden, der zu allem Ja und Amen sagt, ohne seine eigene Meinung auszudrücken, oder jemanden, der seinen Standpunkt klar kommuniziert und auch mal offen sagt, wenn er etwas nicht machen möchte? Du machst dich nicht beliebter, wenn du dich selbst kaputt machst, um anderen zu gefallen. Zeige dir selbst Respekt, dann tun es andere auch.

Du traust dich einfach nicht, nein zu sagen.

Verständlich. Vor allem, wenn du zum Beispiel einen einschüchternden Chef hast, passiert es ganz schnell, dass du auch sonntags arbeitest und Überstunden schiebst, obwohl du vertraglich nicht dazu verpflichtet bist. Einfach, weil du Angst vor den Konsequenzen hast. Aber mach dir bitte eines klar: Nur, weil jemand scheinbar am längerem Hebel sitzt, sollte er trotzdem nicht über dein ganzes Leben bestimmen dürfen. Wenn du dich nicht dazu verpflichtet hast, am Feiertag ins Büro zu kommen, musst du es nicht tun. Genauso, wie du nicht Medizin studieren musst, nur weil du in einer Ärztefamilie aufgewachsen bist.

Du hoffst, dass der Gefallen, den du anderen tust, für gutes Karma sorgt und eines Tages erwidert wird.

Vor allem der letzte Grund ist etwas opportunistisch und verfehlt vor allem seinen Zweck. Wenn du jemanden in deinem Bekanntenkreis hast, von dem du weißt, dass er dir keinen Wunsch abschlagen kann, wirst du dich dann nicht auch immer wieder an ihn wenden, wenn du etwas brauchst? Genau so funktioniert das nämlich. Zwar bekommen einige wenige zumindest ein schlechtes Gewissen, wenn sie dich auf diese Art ausnutzen, aber die meisten sind trotzdem ganz schnell superbusy, wenn du sie ihm Gegenzug auch mal um einen Gefallen bittest.

Meine Tipps, um besser nein sagen zu können

Das Gute ist: Nein sagen kann man lernen. Auch ich lerne es immer noch. Es ist ein kontinuierlicher Prozess, der bei mir persönlich noch lange nicht abgeschlossen ist. Aber man muss einmal anfangen, damit es zur Routine wird. Jedes Nein ist ein Schritt in die richtige Richtung. Mir persönlich haben diese Tipps dabei geholfen:

  • Nicht unfreundlich, aber bestimmt sein. Nein, du wirst nicht automatisch zu einer Furie mit leuchtend roten Augen, wenn du jemandem einen Gefallen abschlägst. Bemühe dich um einen freundlichen Ton, mache dem anderen aber auch klar, dass du nicht mit dir verhandeln lässt. Wenn dich jemand fragt, ob du ihm bei einer Aufgabe helfen kannst, musst du demjenigen nicht gleich einen Vogel zeigen und ihn auslachen. Sag einfach freundlich: „Tut mir leid, aber ich kann dir gerade nicht helfen.“
  • Die Freundin, die du seit Jahren nicht gesehen hast, will mal wieder ausgehen, aber du fühlst dich nicht danach? Vielleicht redest du dir ein, dass es ja sicher doch ganz lustig wird, gehst trotzdem mit und wirfst danach ständig einen Blick auf die Uhr, um herauszufinden, wann es nicht mehr taktlos ist, den Heimweg anzutreten. Nicht so ganz das Wahre, oder? Mache dir in solchen Situationen klar, dass auch andere mit deinem Nein besser bedient wären.
  • Spiele die Situation in deinem Kopf durch. Stell dich vielleicht auch einfach mal vor den Spiegel und sage klar und deutlich: „Nein.“ Auch so kannst du dich an den ungewohnten Klang gewöhnen.
  • Erbitte dir Bedenkzeit. Wenn du vielleicht wirklich noch darüber nachdenken willst, oder dir das Herz bis zum Hals schlägt, kannst du in den meisten Fällen ein bisschen Zeit gewinnen. Besonders praktisch ist es, wenn dich jemand schriftlich um etwas bittet. Hier hast du die Freiheit, erst zu antworten, wenn du dir sicher bist – und die darfst du dir auch nehmen.
  • Lass dich nicht unter Druck setzen. Mach dir klar, dass der wichtigste Mensch du selber bist. Wenn du etwas nicht tun willst, mach es nicht.
  • Versuche, dich nicht zu rechtfertigen. „Ich würde ja gerne, aber ich muss auf den Goldfisch meiner Tante aufpassen und das habe ich ihr schon zugesagt, weil sie ja krank ist…“ – Vermeide solche Sätze. Du musst deiner ehemaligen Klassenkameradin nicht erklären, warum du ihre Umfrage nicht ausfüllen willst. Du musst dich nicht dafür rechtfertigen, dass du das Kind deiner Bekannten nicht halten willst. Du musst dir keine Gedanken darüber machen, ob deine Begründung gut genug oder nachvollziehbar ist. Wenn du nicht möchtest, reicht das als Grund.
  • Denk daran, wie gut du dich fühlen wirst, wenn du am Abend mit einer Tasse Tee im Bett liegst, anstatt im verrauchten Club verschwitzte Hände von deinem Körper zu schieben.

Habt ihr noch andere wertvolle Tipps, die es euch leichter machen, Nein zu sagen? Verratet mir doch eure Strategien, ich lerne immer gerne dazu, vor allem bei einem so wichtigen Thema.

Eure Julie,

Die mit dem roten Lippenstift

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2 Comments

  1. Armita
    7 Monaten ago

    Liebe julie,
    Zuerst mal Gratulation zu deinem Umzug. Die neue Seite ist dir super gelungen und der neue Beitrag natürlich auch. Ich hatte auch sehr lange Probleme mit dem Wort „Nein“ sowohl beruflich als auch privat und habe die letzten 3 Jahre extrem an mir gearbeitet und in letzter Zeit gelingt es mir immer öfters. Leider hab ich einen Chef der oft glaubt ich kann immer arbeiten. Leider ist es vertraglich auch vorgesehen dass ich an Wochenenden und Nächte arbeiten. Aber in letzter Zeit hört er immer wieder ein „nein“ von mir. Er war anfänglich überrascht darüber und später hat er gemeint ich hätte mich in letzter Zeit sehr zum positiven verändert. Ich musste insgeheim lächeln über diese Aussage

    Reply
    1. Julie
      7 Monaten ago

      Danke liebe Armita! Freut mich sehr, dass dir die neue Seite gefällt!
      Ich hatte auch lange Probleme damit, aber irgendwann ist mir aufgefallen, dass viele doch sehr positiv darauf reagieren, wenn man ihnen mal was abschlägt, und das motiviert dann auch wieder, finde ich 🙂

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