In Personal, Work & Study

Die unsichtbare Arbeit hinter einem Blog

Das Bloggen wird oft belächelt. Andere denken sich: „Ja, die schreibt ja nur hin und wieder, was sie gerade gemacht hat und was die Welt halt sonst nicht interessiert, und macht ein paar nette Bilder dazu.“ Wie viel Arbeit hinter so einem Blog steckt, ist kaum jemandem bewusst, der nicht selbst einen betreibt. Aber die Wahrheit ist: Bloggen ist viel mehr als ein paar schöne Bilder und ein paar schnell dahingefetzte Worte. Die eigentliche Arbeit, die dahinter steckt, sieht man ja beim Lesen nicht.

Es fängt schon bei der Technik an. Seitdem ich selber hoste, habe ich diesbezüglich einen Nervenzusammenbruch nach dem anderen. Ich habe Tage investiert, um den Umzug so über die Bühne zu bringen – mit dem Ergebnis, dass einmal die Kommentarfunktion nicht verfügbar war und dass ich Kritik aufgrund meiner langen Ladezeit einstecken musste. Das Problem mit den Kommentaren ist zum Glück behoben, und an der Sache mit der Ladezeit sitze ich gerade. Ich habe sie schon aus eigener Kraft um die Hälfte reduzieren können, aber perfekt ist noch lange nichts.

Weiter geht es bei den Bildern. Vor allem, wenn ich selbst auf den Bildern zu sehen sein soll, ist das mitunter problematisch. Da muss ich mir ein Outfit raussuchen, das halbwegs gut aussieht. Dann muss ich mich zurechtmachen, weil mein Look im Alltag eher an eine Mischung aus Penner und Crackhure erinnert, als an eine stylische Bloggerin. Dann braucht es noch eine Location, an der man möglichst nicht gestört wird. Somit hat man schon mal die perfekten Rahmenbedingungen geschaffen. Jetzt gilt es aber noch, schöne Fotos zu machen. Kamera einstellen, gerade aufs Stativ klemmen, ein paar erste Bilder machen, um dann festzustellen, dass man ja nicht mal im Bild steht, dann die aussortieren, auf denen man aussieht, als würde man einen Furz unterdrücken… gleichzeitig Model und Fotografin zu sein, ist gar nicht so einfach, vor allem, wenn man mit meiner angeborenen Unfotogenität gesegnet wurde. Hier noch einen Pickel retuschieren, da den Kontrast erhöhen… Ja, da geht schon einiges an Zeit drauf.

Nur die Bilder reichen aber nicht für einen guten Blogpost. Es will noch ein Text dazu geschrieben werden. Der soll leicht zu lesen sein, SEO-optimiert werden und natürlich ordentlich Mehrwert bieten. Nicht so schlimm, ich schreibe ja gerne, schreiben ist mein Leben. Aber dann muss man sich Themen ausdenken, den Text dazu schreiben, danach nochmal alles überarbeiten, was komisch klingt, um es im Endeffekt wieder komplett zu verwerfen, weil es doch eh keinen interessiert. Also nochmal neu schreiben. Und das am besten zweimal in der Woche. Obwohl man berufstätig ist, studiert, eine Beziehung hat und hin und wieder auch mal schlafen möchte.

Überall liest man, man könne keinen erfolgreichen Blog betreiben, wenn man sich nicht richtig reinhängt und mindestens ein- bis zweimal die Woche etwas postet, das nur so vor Mehrwert strotzt und die Leute animiert, immer wieder zu kommen. Und jedes Mal bringt mich das zum Nachdenken. Dürfen wir, selbst wenn wir uns für einen Blog entschieden haben, kein Leben abseits des Blogs führen? Beziehungsweise müssen wir uns komplett aufopfern, um den Leuten, die gerne unsere Beiträge lesen, regelmäßig neuen Content zu bieten? Hängt man sich automatisch nicht richtig rein, nur weil man vielleicht seltener postet? Versteht mich nicht falsch, ich blogge total gerne und ich würde es auf keinen Fall mehr aufgeben wollen, aber ich muss zugeben, dass es mich in letzter Zeit extrem unter Druck setzt.

Meine durchschnittlichen Tage bestehen momentan aus Arbeiten, Heimkommen, Essen, nach einer Wohnung suchen, manchmal ins Fitnessstudio gehen und schlafen. Danach wird das Ganze wiederholt. Die freie Zeit, die ich habe, nutze ich, um meinen Freund zu sehen oder hin und wieder mal einen anderen sozialen Kontakt zu pflegen. Manchmal lese ich ein Buch. Ja, es bliebe eigentlich Zeit, um Content für den Blog zu produzieren, aber meist liege ich im Bett und schaue eine Serie, weil ich mich zum Schreiben nicht mehr aufraffen kann. Weil mein Schädel nach einem langem Tag so sehr brummt, dass ich mich auf nichts mehr konzentrieren möchte. Weil ich mich nach einem Tag voller Bildschirmarbeit nicht noch weiter an den Computer setzen will. Weil der Kopf nach einem Tag voller Arbeit einfach zu voll ist und aus allen Nähten zu platzen droht und weil mir so gut wie jeder Mensch, mit dem ich mich unterhalte, ein wenig Kraft raubt, anstatt sie mir zu geben. Das ist nicht ihre Schuld, es ist die meines Charakters.

Und dann soll ich mir noch Themen einfallen lassen, Fotos shooten und Texte schreiben, damit ich zweimal pro Woche neue Inhalte liefern kann? Ja, ich könnte es. Theoretisch hätte ich diese Zeit. Das gebe ich zu. Ich habe jeden Tag dieselben 24 Stunden zur Verfügung wie jeder andere Mensch auch, und von keinem Geld der Welt kann man sich mehr Zeit kaufen. Es liegt an mir, wie ich sie nutze. Theoretisch könnte ich bis spät in die Nacht bloggen, um regelmäßig neue Inhalte auf den Blog zu laden. Mein Blog ist mir wichtig.

Aber es ist mir eben auch wichtig, meinen Freund zu sehen, ein gutes Buch zu lesen, an meinem eigenen Buch zu schreiben und ab Herbst nicht obdachlos zu sein, wenn es für mich nach München geht. Manchmal ist es mir auch einfach wichtig, einen Spaziergang zu machen, einen Tee zu trinken und mich von einer Serie berieseln zu lassen. Ich setze manchmal Prioritäten, bei denen andere Blogger die Augen über mich verdrehen würden. Aber ich habe eben viele Dinge, die ich liebe und die mich begeistern. Das alles unter einen Hut zu bringen, ist nicht immer leicht. Aber ich gebe jeden Tag mein Bestes, damit es klappt. Und wenn das bedeutet, dass mein Blog mal eine Woche keine neuen Inhalte bekommt, dann ist das eben leider so. Das bedeutet nicht, dass ihr mir nicht wichtig seid!

Eure Julie,

Die mit dem roten Lippenstift

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23 Comments

  1. Kat
    2 Monaten ago

    Wirklich sehr guter Blogpost, Julchen. 🙂 Ich kann dir gerade, wie du ja weißt, nur zustimmen.
    Klar hätte ich, neben dem Lernen, das ein oder andere Minütchen Zeit, um einen Beitrag zu schreiben. Aber ganz ehrlich: Wenn ich zwei Stunden nur am Lernen bin, kann ich mich auch nicht mehr dazu aufraffen, die restliche Zeit mit Schreiben zu verbringen. Ich bin kaputt, ausgelaugt und einfach müde.

    Danke für diesen Beitrag. 🙂 Da weiß ich zumindest, dass es nicht nur mir so geht. <3
    Wishes, Kat
    http://sevenandstories.net/

    Reply
    1. Julie
      2 Monaten ago

      Danke Kathilein! ❤
      Mir geht’s oft genauso und das ist in Ordnung. Das Leben außerhalb des Blogs sollte nicht zu kurz kommen.

      Reply
  2. Lilli
    2 Monaten ago

    Hallo Julie,
    ich kann dir nur zustimmen: Der Blog darf nicht das ganze Leben und die ganze Freizeit einnehmen. Mir hilft es, morgens fixe Blogzeiten zu haben – als Selbständige kann ich mir das aber natürlich besser einteilen als du als Angestellte. Und die Bilder kaufe ich zu, anstatt sie selbst zu machen – das spart soooo viel Zeit!
    Vielleicht findest du eine Zeit (Samstag Morgen?), zu der dir das Schreiben besonders leicht von der Hand geht! Aber es stimmt: Wenn man gerade keine Energie dafür hat, sollte man sich nicht zwingen müssen. Wir haben schließlich alle auch ein Leben!
    GLG Lilli

    Reply
    1. Julie
      2 Monaten ago

      Danke liebe Lilli!
      Fixe Blogzeiten habe ich versucht, aber ich bin dafür einfach zu unorganisiert 😀 Und wenn ich dann um 9 in der Redaktion sitzen muss, bleibt mir einfach nicht die Zeit, mich da richtig reinzuhängen. Da müsste ich sonst um 5 aufstehen und mit Schlafmangel schreibt sichs auch nicht so gut^^ Fürs Wochenende wäre das aber mal eine gute Routine, die ich mir angewöhnen könnte. Danke für den Tipp!
      Ich finde halt, man merkt es, wenn etwas ganz gezwungen geschrieben wurde 😀 Und das möchte ich nicht. Ich finde, Qualität sollte stets über Quantität stehen 🙂
      LG, Julie

      Reply
  3. Armita
    2 Monaten ago

    Liebe julie. Keine Sorge du machst mit deinem Blog sehr gute Arbeit obwohl es wäre auch mal amüsant ein Foto von dir als Penner oder crackhure zu sehen. Wäre mal was neues für deinen Blog.

    Reply
    1. Julie
      2 Monaten ago

      Danke Armita 😀 Ne ne, es gibt Dinge, die sollten lieber privat bleiben 😉 Aber danke für die Anregung 😀

      Reply
      1. Armita
        2 Monaten ago

        Da bin ich ganz deiner Meinung

        Reply
  4. Carina
    2 Monaten ago

    Liebe Julie!
    Du sprichst genau das aus, was ich mir zurzeit auch oft schon gedacht habe.
    Ich habe ja auch Arbeit, Studium, meinen Freund, unser Hobby Schießen und das Lesen!
    Und das zu planen ist oft echt schwer, denn Kopfweh kann man leider nicht einplanen! 🙁
    Hatte ich gestern total heftig, obwohl ich eine Übung fertig bringen wollte! Shit happens!
    Lass dich nicht unterkriegen! Ich bleib auch wenn du mal einen Monat nicht posten solltest! 😍
    Liebe Grüße,
    Carina!

    Reply
    1. Julie
      2 Monaten ago

      Danke liebe Carina!
      Das stimmt, Kopfschmerzen kann man nicht planen. Sonst würde ich mir die immer genau anders legen 😀
      Und manchmal kann man sich halt einfach nicht konzentrieren. So what. Besser ein bisschen ausruhen, als unmotiviert nen Artikel schreiben, dem man die Unlust anmerkt, finde ich.
      Ich freue mich, dass du bleibst! Vielen Dank für deine Treue 😀
      Liebe Grüße,
      Julie

      Reply
      1. Carina
        2 Monaten ago

        Liebe Julie,
        ich liebe deinen Blog und liebe deine Beiträge. =)
        Deswegen bleib ich!
        Liebe Grüße,
        Carina.

        Reply
  5. Franz
    2 Monaten ago

    Alles wunderschön auf den Punkt gebracht. Kurzfassung: Ein Blog ist eigentlich keine One-(Wo)Man-Show, da neben den angesprochenen Themen noch viele andere NEUE Dinge zu erlernen sind… zB CSS, PHP, Lightroom, WordPress, SEO, uvm. Es bedarf also hier schon mal einem sehr toeranten Partner, der im besten Fall sich noch einbringen kann.

    Schöne Grüße aus Steyr/OÖ
    Franz

    Reply
    1. Julie
      2 Monaten ago

      Danke, Franz!
      Ich habe durchs Bloggen auch mehr gelernt als in zwei Jahren Informatikunterricht in der Schule 😀 Zum Glück habe ich da einen verständnisvollen Partner, der mir mit technischen Dingen unglaublich hilft, sonst wäre das echt um einiges schwieriger.

      Liebe Grüße aus Innsbruck,
      Julie

      Reply
  6. Sabrina
    2 Monaten ago

    Dein Text spricht mir aus der Seele. Ich bin auch beruflich Texterin und habe nicht immer Lust, meine Freizeit genau gleich zu gestalten wie meine Arbeitszeit. Meine Freunde haben auch alle so gar nichts mit dem Bloggen am Hut…
    Ich finde es auch nicht schlimm, wenn mal jemand nicht punktgenau alle 3 Tage einen neuen Artikel veröffentlicht. Und das Augenrollen können sich die Moralapostel sparen. Für mich ist Bloggen nunmal ein Hobby und als solches sollte es vor allem Spaß machen!
    LG, Sabrina 🙂

    Reply
    1. Julie
      2 Monaten ago

      Danke liebe Sabrina!
      Ich bin auch nebenbei Texterin und verstehe dich da vollkommen! Irgendwann kann man keine Bildschirme mehr sehen.
      Ich sehe das genauso. Bloggen sollte Spaß machen und keine Pflicht sein, denn nur so kann man auch gute Artikel veröffentlichen.
      LG Julie

      Reply
  7. fxhakan
    2 Monaten ago

    Ich finde es toll, dass du offen und selbstironisch über deine »Probleme« beim Bloggen schreibst – ich »verzweifle« auch mal bzw. öfters als mir lieb ist! Ich denke, es hilft anderen, die ähnliche Kämpfe austragen und Gedanken (oder Zweifel?) haben und motiviert sie zugleich (das zeigen ja die Kommentare unter deinem Artikel).

    Vor allem gefällt mir, dass du nicht einfach aufgibst, sondern weiter machst – bis zum »Nervenzusammenbruch« und darüber hinaus 😀 Das beweist für mich Willensstärke und Durchhaltevermögen. In etwas gut zu sein, erfordert viel Übung (jeden Tag mehrere Stunden über Jahre hinweg). Und wenn das Schreiben wirklich deine Leidenschaft ist, dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis dir die heutigen Dinge leicht fallen und dafür andere schwer 😉

    Reply
    1. Julie
      2 Monaten ago

      Danke dir! Nachdem ich heute schon ein paar ziemliche Hasskommentare bekommen habe, tun solche Worte echt gut.
      Ich hoffe auch, dass andere das motiviert und ihnen das Gefühl gibt, nicht alleine zu sein.
      Danke für deine schönen Worte!

      Reply
  8. Carry
    2 Monaten ago

    Ich habe deinen Blog soeben erst entdeckt und fühle mich schon jetzt richtig wohl. Du machst also alles richtig 🙂

    Reply
    1. Julie
      2 Monaten ago

      Oh danke Carry, das freut mich! Ich hoffe, ich darf dich öfter bei mir begrüßen 😍

      Reply
  9. Christina
    2 Monaten ago

    Liebe Julie,

    danke dafür!!! Mir geht es wirklich GENAU SO!!! Neben Full-Time Job und Blog versuche ich auch noch Sydney zu entdecken, wo soll der Content für einen Reiseblog denn sonst herkommen? Dann habe ich einen Tag wie gestern, wo ich mir extra für den Blog frei nehme und dann klappt gar nichts. WordPress spinnt, YouTube meldet einen Urheberrechtsanspruch an einem Lied, das ich verwendet habe, also nochmal schneiden, nochmal hochladen etc. Nach 10 Stunden ist dann irgendwann mal alles online und dann soll ich direkt wieder anfangen, den nächsten Beitrag aufzuarbeiten? Fällt mir auch schwer. Ich nehme den Druck jetzt raus und bringe dann neuen Content, wenn ich wirklich die Zeit dazu habe. Wenn das erst in 2 Wochen so ist, dann ist es halt so…

    Ganz, ganz liebe und verstehende Grüße,
    Christina

    Reply
    1. Julie
      2 Monaten ago

      Danke liebe Christina!
      Ja, die Technik spürt Angst, das habe ich auch schon erlebt 😀 Und für Stress hat sie auch einen ziemlichen Sensor.
      Ich denke auch, dass sich da niemand aufregen braucht, wenn man 2 Wochen nichts kommt. Qualität geht schließlich immer über Quantität.
      LG Julie

      Reply
  10. trallafittibooks
    2 Monaten ago

    Toller Beitrag!
    Ich hoffe, dass jetzt alles so läuft wie du es dir vorstellst. Ich stelle es mir sehr aufwendig vor, einen Blog selber zu hosten (sagt man das so?).

    Mittlerweile habe ich für mich eine ganz gut Balance aus Arbeiten, Sozialleben, Hobbys und Bloggen gefunden, denke ich. Ich sitze jeden Tag am Blog, aber meistens vormittags vor der Arbeit, was schon fast zum Ritual geworden ist. Da findet dann das ganze drum herum statt, also Beiträge planen & tippen, Mails checken, auf anderen Blogs stöbern etc.
    Abends lese ich dann. Freunde treffe ich meistens am Wochenende. Arbeiten muss ich natürlich täglich, auch an manchen Wochenenden und Feiertagen.
    Bloggen ist Arbeit, das sollte man wirklich nicht unterschätzen.
    Und du machst das super!

    Liebe Grüße,
    Nicci

    Reply
    1. Julie
      2 Monaten ago

      Danke liebe Nicci!
      Ja, mittlerweile passt bis auf ein paar Feinheiten alles 😊 toll, dass du das alles so durch planen kannst. Mir fehlt dazu leider immer die Disziplin 😅
      Du machst das auch toll! Danke vielmals!
      LG Julie

      Reply
      1. trallafittibooks
        2 Monaten ago

        Ohne Disziplin wäre ich vermutlich völlig chaotisch und überfordert. 😀
        Danke <3

        Reply

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