In Mimimi-Montag

Ich wander aus! / Mimimi-Montag

Und schon wieder ist eine Woche um. Gestern haben wir aller Wahrscheinlichkeit nach Wastl Shorty zum Bundeskanzler gewählt und darüber werden sich sicherlich einige aufregen. Ich werde mich da heute nicht einreihen, denn ändern könnte ich es damit eh nicht. Es gibt allerdings ein paar andere Dinge, über die ich mich heute aufregen möchte. Willkommen zum Mimimi-Montag!

„Ich wander aus!“

Irgendwo kann man das Wahlergebnis ja dann doch nicht komplett unkommentiert lassen. Aber ich will mich jetzt nicht über das Ergebnis per se aufregen, auch wenn mich manche Dinge schon sehr schockieren. Aber was soll’s, ich kann es jetzt eh nicht ändern, ich habe meine Stimme abgegeben und damit meine Pflicht getan.

Was mich aber aufregt, sind die ganzen „Ich wandere aus, mimimi, Österreicher sind alle so scheiße, ich hol mir jetzt nen isländischen Pass und nenn mich Hilda Petersdottir“-Posts. Ja, das Ergebnis darf man scheiße finden. Ja, man muss nicht mit der Meinung anderer konform gehen. Aber so funktioniert eben Demokratie. Er heißt „Wahl“, weil man sich selbst aussuchen darf, was man wählt. Punkt. Die meisten Menschen haben ihre Gründe dafür, das zu wählen, was sie wählen, auch wenn man sie nicht immer nachvollziehen kann (und auch wenn man sicherlich nicht davon ausgehen kann, dass alle wirklich gründlich darüber nachgedacht haben und informiert zur Wahl gegangen sind). Ein Rechtsruck war zu erwarten, den gibt es mittlerweile nicht nur in Österreich, weshalb auswandern aufgrund dieses Ergebnisses eh nicht viel Sinn machen würde. Abgesehen davon, dass dann im Endeffekt von den großen „Ich wander aus“-Parolenschwingern nicht mal ein Prozent wirklich auswandert.

Menschen, die sich über deine Phobien lustig machen

Jeder Mensch hat so seine Ängste. Manche stehen ganz offen zu ihnen, andere tun sich etwas schwerer damit, sie zu offenbaren. Woran das liegt? Nun, ich vermute mal, es könnte daran liegen, dass manche Menschen sich gerne einen Spaß aus den Phobien anderer Menschen machen, nur aus dem simplen Grund, weil sie sich selbst nicht davor fürchten. Ich zum Beispiel habe zwei sehr ungewöhnliche Phobien: Ich habe Angst vor Amphibien und vor großen Schiffen. Unter ersterer leide ich seit meiner Kindheit, als meine schlaue Tante sich eingebildet hat, mir eine fette Kröte direkt vor die Nase halten zu müssen – danke, meine Liebe, ich spare mir an dieser Stelle die Schimpfworte, die ich gerne schreiben würde. Woher die Angst vor Schiffen kommt? Keine Ahnung. Vermutlich war ich in einem früheren Leben Passagier auf der Titanic.

Jedenfalls gibt es immer diese Menschen, die auf diese Offenbarungen hin total ungläubig lachen, ein Foto von einer fetten Kröte oder der Aida googeln und es einem vor die Nase halten mit den Worten: „Hahaha, du willst mir doch nicht im Ernst erzählen, dass du davor Angst hast? Das tut dir doch nichts!“ Mag sein, Manuel, aber ich tu dir gleich was, wenn du weiter so mit meinen Ängsten spielst!

Leute, die nur über sich selbst sprechen

Kennt ihr diese Egozentriker, die nur ein Thema kennen – und zwar sich selbst? Ich würde behaupten, dass jeder mindestens eine solche Person im Bekanntenkreis hat und wage auch zu vermuten, dass diese Person nicht gerade zu den beliebtesten Zeitgenossen gehört. Muss sie aber auch nicht, denn sie findet sich selbst eh am geilsten. Ein typisches Gespräch mit diesem Menschen sieht so aus: „Hey, wie geht’s dir?“

„Schlecht, meiner Mama wurde Krebs diagnostiziert.“

„Oh. Ich verstehe. Ich erinnere mich noch ganz genau, als mein Vater ein Melanom hatte. Stell dir vor, das mussten die herausschneiden und seitdem hat er eine riesige Narbe. Also ich weiß genau, was du durchmachst, mir ging es damals ganz genau gleich, aber das ist kein Grund zur Sorge, meinem Vater geht’s heute wieder bestens. Aber stell dir vor, meine Lieblingsjeans wird nicht mehr produziert, was soll ich denn in Zukunft anziehen?“

Wow, Lisa, es ist ein Wunder, dass du überhaupt noch gerade laufen kannst, bei all dem, was du durchmachen musstest! Stell dich bitte einmal hinten an, andere Leute haben auch Probleme und wenn du dich immer ausheulen darfst, ist es nicht zu viel verlangt, auch mal selber den Rand zu halten und zuzuhören.

Menschen ohne Händedruck beim Händedruck

Der richtige Händedruck ist ein viel diskutiertes Thema. Nicht zu lasch darf er sein, aber man sollte seinem potenziellen Gesprächspartner auch nicht gleich die Hand damit brechen. Einige Menschen beherrschen diese Gradwanderung ganz gut, andere eher nicht so. Besonders suspekt sind mir immer die Menschen, bei denen man das Gefühl bekommt, eher einen feuchten Putzlappen als eine Hand zu schütteln. Wie schaffen es diese Leute, Flaschen zu öffnen? Ich werde es nie verstehen.

„Mit solchen Leuten kann man nicht diskutieren“

Ich habe schon beim letzten Mal gemerkt, dass in meinen Blogposts in letzter Zeit sehr oft die Worte „Taylor Swift“ fallen. Ich habe mir auch vorgenommen, mich diesbezüglich demnächst ein wenig zurückzuhalten, aber letztens ist mir eine Situation untergekommen, die es einfach auf diese Liste schaffen muss: Menschen, die eine Diskussion mit den Worten „Mit solchen Leuten kann man eh nicht diskutieren“ beenden.

Folgende Situation hatte ich letztens: Es ging in einer Facebookgruppe um den neuen Song von Taylor Swift. Und mit Taylor Swift verhält es sich wie mit Vanilla Coke – man liebt es, oder man hasst es. Ich persönlich habe mich in beiden Fällen fürs Lieben entschieden. Jedenfalls tauchte dann in der Diskussion um Taylors neuen Song ein Mädel auf, das so einen Kommentar abließ: „Ich finde das Lied total scheiße und hasse sie überhaupt, sie ist so ein unreifes kleines Kind, ich meine, schaut euch bloß das Video an!“ Ich habe sie danach ganz sachlich gefragt, was genau an dem Video so unreif sein sollte – ich wollte sie nicht provozieren, es hat mich tatsächlich interessiert. Ein paar Sekunden später kam die Antwort: „Das war ja klar, dass so ein Kommentar kommt. Ich klink mich mal aus, mit Taylor Swift Fans kann man eh nicht diskutieren.“

Oida? Der einzige Mensch, mit dem man nicht diskutieren kann, bist du!

Gerade zu Zeiten der Wahlen gibt es immer unendlich viele Dinge, die mich aufregen. Aber wenn ich jetzt noch anfangen würde, mich über die Verschwendung von Steuergeldern, unehrliche Politiker oder die hässlichen Wahlplakate überall aufzuregen, würde dieser Post die Länge der Chinesischen Mauer annehmen. Daher halte ich es einfach wie unser allseits geliebter Bürgermeister Michael Häupl und sage: „Man bringe den Spritzwein!“ und lasse den Mimimi-Montag schön ausklingen.

Eure Julie,

Die mit dem roten Lippenstift 

Share Tweet Pin It +1

You may also like

Lächel doch mal! / Mimimi-Montag

Posted on 23. Oktober 2017

Previous PostPille absetzen ist der neue Veganismus / Mimimi-Montag
Next PostZwischen Hausarbeit und Serien - produktiv im Home Office

9 Comments

  1. bewegend-begeistern
    1 Monat ago

    Immer wieder ein Hit – der Montag😂

    Reply
    1. Julie
      4 Wochen ago

      Vielen lieben Dank!!

      Reply
  2. Jenny
    1 Monat ago

    Herrlich, ich muss immer wieder lachen und finde mich einfach in soo vielen Punkten wieder!
    Ich kann es auch absolut nicht ausstehen, wenn jemand zu allem, egal Was, eine passende Story hat und es sich plötzlich nur noch um denjenigen dreht! Ich meine, Hallo?, ich wollte dir doch gerade was erzählen? Feingefühl ist da oft nicht! Ich selber gehöre mehr zu denen, die eher zu hören als große Reden schwingen.
    Unfassbar, was man manchmal über andere so herausfinden kann.

    Ich wünsche dir einen tollen Start in die Woche 💕

    Liebste Grüße
    Jenny

    Reply
    1. Julie
      4 Wochen ago

      Danke liebe Jenny!
      Ich gehöre auch zu den Menschen, die sehr gerne zuhören. Aber ich finde, wenn ich schon die ganze Zeit anderen Menschen mein Gehör schenke, möchte ich auch einmal das Recht haben, mich auszuheulen, ohne ständig unterbrochen zu werden.
      Ich wünsche dir auch eine tolle Woche!
      Alles Liebe,
      Julie

      Reply
  3. Vroni
    1 Monat ago

    Ach Julie,
    Ich schließe mich deinem Mimimi wiedermal an – und muss dir zudem erneut ein Kompliment zu deiner authentischen Art machen, zudem bringst du mich mit deinen Worten zum Schmunzeln. 😉
    Alles Liebe,
    Vroni <3

    Reply
    1. Julie
      4 Wochen ago

      Danke liebe Vroni <3

      Reply
  4. Nicci Trallafitti
    1 Monat ago

    Gott, diese Waschlappen-Hand-Menschen sind mir echt suspekt.
    Den Vergleich mit dem Flaschenöffnen finde ich sehr gelungen 😀
    Nach den Wahlen ist das doch irgendwie oft so, oder? Alle wollen se auswandern, letztendlich bleiben 99,9%. Menschen neigen scheinbar sehr häufig zum überdramatisieren, insbesondere in so Gruppenkontexten wie unter Facebookposts.
    Das mit den Phobien finde ich super unangemessen. Was Menschen sich manchmal herausnehmen ist echt der Burner.

    Liebe Grüße und danke für den Artikel, der mir den Nachtdienst versüßt hat,
    Nicci

    Reply
    1. Julie
      4 Wochen ago

      Danke für den lieben Kommentar, Nicci <3
      Ja, das mit den Wahlen ist eigentlich immer so. Ich denke mir, wir könnens jetzt eh nicht ändern, dann können wir uns auch erstmal anschauen, was überhaupt passiert, bzw. ob überhaupt was passiert oder ob sich eh wieder nix ändert.
      Und ich habe wegen dieser Phobiensache auch schon ein paar Menschen ohne schlechtes Gewissen die Freundschaft gekündigt. Und habe es keine Sekunde bereut 😀
      Liebe Grüße,
      Julie

      Reply
      1. Nicci Trallafitti
        4 Wochen ago

        Genau.. erst mal abwarten, wer weiß was so kommt. Verhindern können wir nichts, nur kreuzen.
        Coole Reaktion! Aber dann musste es scheinbar so sein. Manche Menschen sind veränderungsresistent.

        Reply

Sag mir deine Meinung!

%d Bloggern gefällt das: