In Mimimi-Montag

Ich hasse Vorlesungs-Arschlöcher / Mimimi-Montag

Einen wunderschönen guten Morgen! Wenn dieser Beitrag online geht, werde ich mich wahrscheinlich einem deliziösen Frühstücksbuffet in meinem liebsten Wellnesshotel widmen. In diesem Moment werde ich in einem Delirium zwischen Food-Koma und Frühstückshimmel schweben, dass ich nur wenig Zeit und Gelegenheit für Hass haben werde. Daher habe ich mir meinen liebsten Ort ausgesucht, um diesen Beitrag zu tippen: den ÖBB-Railjet.

Alte Menschen in Öffis

Ja, ich weiß, ich rege mich sehr oft über die Menschen in öffentlichen Verkehrsmitteln auf. Aber, wie ich finde, auch zu Recht. Denn die Öffis bringen in den meisten Fällen wirklich das Schlechteste im Menschen hervor. Sobald manche Menschen den Fuß in die U-Bahn oder Bim setzen, ist es, als würden sie sich spontan in Neandertaler verwandeln. Besonders schlimm ist es mit alten Menschen. Sobald alte Menschen die Straßenbahn betreten, kann man eigentlich nur alles falsch machen.

Bietet man ihnen den Sitzplatz an, schnauzen sie einen meist unvermittelt an, dass sie doch bitte bei Gott noch nicht so alt seien. Und wenn man dann irgendwann resigniert aufgibt und sie einfach im wahrsten Sinne des Wortes stehen lässt, dröhnt ein beneidenswert starkes Organ durch die ganze Straßenbahn: „Die Jugend von heute! Ned amal aufstehen könnens, obwohls sowieso den ganzen Tag sitzen. Na, sowas unverschämtes hätts zu meiner Zeit ned geben!“

Lieber Herbert, es gibt in den Wiener Linien sowas wie Priority Plätze für Blinde, Alte und Schwangere, die in der Regel auch recht zuverlässig geräumt werden, sobald sich jemand aus dieser Gruppe nähert. Und wenn nicht, habe ich hier einen sehr ungewöhnlichen Lösungsansatz: Man kann sich auch einfach wie ein normaler Mensch verhalten und fragen.

Vorlesungs-Arschlöcher

Als ich noch in Innsbruck studiert habe, bin ich des Öfteren mit Freunden zu Vorlesungen gegangen – wenn ich sie nicht überhaupt verpennt habe oder mir die Opportunitätskosten zu hoch waren (das mit den Opportunitätskosten, als kleiner Tipp am Rande, ist die beste, nobelste Art zu sagen, dass man keinen Bock auf etwas hat). Und wenn ich dann mit Freunden in der Vorlesung war, habe ich die meiste Zeit durchgequatscht. Ich meine mich zu erinnern, dass auch einmal ein Trinkspiel dabei war. Und, noch ein kleiner Tipp am Rande, „Geld“ ist in einer Wirtschaftsvorlesung ein sehr dankbares Trinkspielwort. Kann ich aus Erfahrung bestätigen.

Erst, seit ich in Wien studiere und einen Großteil meiner Vorlesungen aus Mangel an Kontakten alleine bewältige, weiß ich, dass ich damals wohl die Aggressionen einiger Kommilitonen auf mich gezogen haben muss. Erst vorgestern hatte ich drei richtige Vorlesungs-Arschlöcher direkt hinter mir sitzen, welche sich in einer Sekunde über den Prof aufregten, um in der nächsten zu besprechen, wer den Glühwein für die nächste Party mitbringen würde – und dann, nach zehn Minuten intensivsten Partybesprechungen kam ein lautes: „Oida, was labert der? Ich versteh das jetzt gar nicht.“ Ja, Chantal, wie wäre es mit zuhören? Oder einfach gar nicht erst kommen, damit ihr in Ruhe punschen könnt und niemanden mit eurer Anwesenheit nervt. Klassische Win-Win-Situation.

Leute, die deine Psyche nach zwei Minuten analysieren

Ein Grund, warum ich am liebsten keine Menschen kennenlerne, sind diese Hobby-Psychologen, die man auf so ziemlich jeder Party trifft. Man stellt sich einander vor und quatscht ein bisschen, ungefähr zwei Minuten lang. Und plötzlich setzt diese Person, nennen wir sie Lena, einen wissenden Blick auf und sagt: „Ja, Julie, ich glaube, du hast da ein noch nicht verarbeitetes Trauma aus deiner Kindheit, deshalb fällt es dir auch so schwer, neue Leute in dein Leben zu lassen. Du solltest da dran arbeiten, denn die Menschen umgeben sich lieber mit offenen Leuten.“

Ja, liebe Lena. Die Menschen, die ich kenne, umgeben sich auch lieber mit Leuten, die sich zumindest ein bisschen länger als zwei Minuten Zeit nehmen, jemanden kennenzulernen, bevor sie den Salzstreuer auspacken und eventuelle psychische Probleme analysieren. Aber vielleicht ist diese nervige Eigenschaft von dir auch auf ein Kindheitstrauma zurückzuführen? Vielleicht ein kleiner Vaterkomplex oder eine Mobbingerfahrung in der Schulzeit? Du merkst, es ist richtig nett, wenn man so genau durchleuchtet wird, oder?

Pärchen, die es nur noch im Doppelpack gibt

Ich glaube, so ziemlich jeder hat diese eine Person im Freundeskreis, die sich verdoppelt hat, seit sie in einer festen Beziehung lebt. Und ich meine damit nicht, dass sie einfach extrem zugenommen hat. Nein, aus einer Person wurden zwei. Und damit gehen sie allen Menschen in ihrem Umkreis auf die Nerven, denn sich mit der Person, mit der man ursprünglich befreundet war, zu treffen, ist ungefähr so wahrscheinlich wie der Schnittpunkt zweier paralleler Geraden.

„Ja, da können wir leider nicht, da hat der Thomas schon ein Badminton-Match“, lautet die Antwort auf so ziemlich jeden Terminvorschlag. Das Badminton-Match lässt sich übrigens beliebig durch „Eltern-Besuch“, „Weinverkostung“ oder „Männerschnupfen“ ersetzen. Anna, ich glaube, wir haben uns missverstanden. Ich habe dich nach einem Treffen gefragt, weil ich dich gerne mal wiedersehen möchte, nachdem ich dich ein halbes Jahr nicht zu Gesicht bekommen habe. Also lass den Thomas mal in Ruhe Badminton spielen und geh mit mir einen Spritzer trinken. Ich bring dich auch zurück und ihr könnt danach in Ruhe weiter ein nerviges Pärchen sein. Man kann auch eine Balance finden.

So, nun habe ich mich mal wieder genug ausgekotzt – für diese Woche und auch die nächste. Denn da Weihnachten selbst für mich ein wenig besinnlich sein sollte, habe ich beschlossen, an den Feiertagen einfach mal weniger zu schimpfen und den Mimimi-Montag ausnahmsweise ausfallen zu lassen. Aber seid unbesorgt, im neuen Jahr geht’s unverändert weiter.

Eure Julie,

Die mit dem roten Lippenstift

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5 Comments

  1. Nicci Trallafitti
    4 Monaten ago

    Gott, wie mich diese Pärchen nerven.
    Ich kenne auch so Mädels die allen ernstes sowas sagen wie: da kann ich nicht, da hat er Urlaub.
    Ehm… und?
    Als würde man sein Leben lang nur darauf aus sein, einen geeigneten Partner für sich zu finden, damit das Leben ENDLICH einen Sinn hat und man sich daraufhin von der gesamten Menschheit abkapseln und nur noch in seinem Pärchen-Schneckenhaus leben kann.
    Und DANN ist diese ach so tolle Beziehung vorbei und man wundert sich wo die Leute alle sind?

    Liebe Grüße und eine tolle Woche!
    Nicci

    Reply
    1. Julie
      4 Monaten ago

      GENAU, sowas meine ich! Oder diese klassischen „Wie geht’s dir?“ – „Ja, uns geht’s momentan nicht so gut, wir haben gerade Schnupfen“-Unterhaltungen. Wunderbar.
      Und meist wundern sich die Leute dann wirklich, dass man sie irgendwann nicht mehr einlädt oder nicht sofort Zeit hat, wenn sie dann doch mal eine halbe Stunde lang alleine sein müssen. Grauenhaft.
      Dir auch eine wundervolle Woche <3

      Reply
      1. Nicci Trallafitti
        4 Monaten ago

        Ja, grauenhaft trifft es ganz gut. 😀
        Danke!

        Reply
  2. klaudixo
    4 Monaten ago

    Ich musste über die Vorlesungs-Arschlöcher gerade so lachen. Ich verteile dann einfach immer so lange Todesblicke, bis endlich jeder still ist. Du sprichst mir da voll aus der Seele!
    Liebe Grüße und lass dich auch über Weihnachten verwöhnen,
    Klaudia

    Reply
    1. Julie
      4 Monaten ago

      Danke liebe Klaudia, da freu ich mich 😀
      Ich glaube, ich muss meine Todesblicke mal wieder trainieren. Vielleicht funktionieren die im neuen Jahr wieder besser 😀
      Liebe Grüße und schöne Weihnachten!

      Reply

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