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Do you speak Instagram?

Instagram ist zu vergleichen mit einem Schulhof. Da gibt es die trainierten Fitnessfreaks, die belesenen Bücherwürmer, die Selbstdarsteller und die, die immer die leckersten Pausenbrote dabei haben. Hier findet jeder seine Nische, in der er sich aufgehoben fühlt, und das ist auch gut so. Was mir jedoch in letzter Zeit verstärkt aufgefallen ist, ist, dass sich in den einzelnen Gruppen auch ein gewisser Jargon entwickelt hat. Ich hab mich für euch ein bisschen umgesehen und versucht, ein paar typische Instagram Sprüche zu finden. Was dabei herausgekommen ist, könnt ihr hier sehen.

Ich hab im Gym voll den Trizeps zerstört

Nicht schwer, herauszufinden, zu welcher Gruppe dieser Satz gehört. Wie witzig der Satz ist, habe ich erst über eine Instastory herausgefunden. Eine Frau, der ich in den Instastories nämlich immer ganz gerne zuhöre, ist queen_of_village – und das, weil sie echt lustig erzählen kann. Ich saß also so ganz bequem da mit meinen Pringles auf dem Schoß und hörte mir das an: „Ich war davor im Fitnessstudio – ne, das heißt ja nicht mehr Fitnessstudio, das heißt jetzt Gym. Und ich hab meinen Trizeps auch nicht trainiert, ich hab den zerstört. Sagt mal, Leute, könnt ihr nicht normal reden? Sagt doch einfach ‚Ich war grad trainieren‘, wie jeder andere normale Mensch auch!“

Und in dem Moment wurde mir klar: Sie hat Recht. Ich habe so oft auf Instagram gelesen, dass jemand Körperteil XY zerstört habe, und habe mir nie große Gedanken darüber gemacht. Nun sehe ich diesen Satz mit ganz anderen Augen.

Ich gönn mir jetzt ein bisschen #Qualitytime

Ein Satz, der von unseren über alles geliebten Instafamebitches kommt, wenn sie sich eine Auszeit vom #Instafame nehmen müssen – natürlich nicht, ohne das vorher, nachher und währenddessen mit den Fans zu teilen. Qualitytime wird meist so verstanden, dass man sich mit ein paar möglichst fotogenen Menschen trifft und ein Foto bei einer gemeinsamen Unternehmung aufnimmt, das man dann posten kann, um danach wieder seelenruhig am Handy hängen zu können und einander nicht mehr zu beachten. Schließlich hatte man keine #Qualitytime, wenn niemand auf Instagram darüber Bescheid weiß.

Hey peeps, what’s up?

Der liebste Einleitungssatz einer deutschen Instafamebitch, die nur ihre ersten paar Sätze auf Englisch schreibt, um cool zu wirken, und dann aber auf Deutsch weitermacht – eine weit verbreitete Instagram-Praktik, deren Sinn sich mir nicht ganz erschließt. Womöglich will man ein möglichst internationales Publikum ansprechen, oder auch einfach nur besonders cool und international wirken. Ich bin allerdings überaus dankbar, dass dieser Satz nur auf Instagram und nicht im realen Leben verwendet wird, denn wenn mich jemand so grüßen würde, hätte ich ein noch größeres Aggressionsproblem, als ich es ohnehin schon habe – falls die NSA oder der BND das mitliest: Ich habe das Problem üblicherweise sehr gut im Griff!

Link in Bio

Ehrlich gesagt, wäre ich gar nicht auf die Idee gekommen, diesen Satz in meine Liste mit aufzunehmen, bis mich meine Arbeitskollegin Sara heute gefragt hat, was zur Hölle dieser Satz bedeutet. Zeit, ein bisschen aufzuklären. Link in Bio bedeutet eigentlich nur, dass man den Link zu irgendwas (üblicherweise zur eigenen Seite) in seine Kurzbeschreibung kopiert hat, auf den die Follower dann doch bitte gefälligst klicken sollen. In seltenen Fällen wird dieser Satz für eine Petition oder eine andere gute Sache verwendet, in den meisten Fällen versteckt sich dahinter jedoch eine raffinierte Art der Eigenwerbung. Simple as that.

Das ist so #Goals!

Wer der englischen Sprache mächtig ist, weiß eigentlich eh schon, was sich hinter diesem Satz verbirgt. Man sieht etwas Schönes auf Insta, findet es toll, wünscht es sich für sein eigenes Leben und markiert es mit dem Hashtag #Goals. Die gibt es in allen möglichen Formen: #Couplegoals, #Relationshipgoals, #Friendshipgoals, #Flatgoals, #Hairgoals und #wasweißdennichnochfürgoals. Ironischerweise setzen den Hashtag aber selten Follower unter ein Bild, sondern eher die Postersteller selbst, die diese #Goals eigentlich schon längst erreicht haben. So postet das ach so knuddelsüße, ekelhaft verliebte Pärchen stets den Hashtag #Relationshipgoals, obwohl sie über ihre eigene Beziehung sprechen. Narzisstisch? Definitiv, aber was will man machen? Das ist halt Instagram.

Markiert mich bitte und benutzt meinen Hashtag, damit ich eure tollen Kreationen sehen kann!

Sehr weit verbreitet ist dieser Satz unter Foodbloggern. Man postet ein Rezept auf Instagram, will andere zum Nachmachen animieren und schreibt dann natürlich oben angesprochenen Satz darunter, begleitet von einigen Herzi- und Bussismileys, damit man sich als Leser auch wirklich angesprochen fühlt und sich denkt, dass die Alte tatsächlich Interesse an einem hätte. Hat sie aber leider in den wenigsten Fällen, denn meist sehen sich besagte Accounts diese Bilder dann nicht mal an, sondern freuen sich lediglich über ein bisschen Gratiswerbung. Je größer der Account, umso höher ist in der Regel auch die Wahrscheinlichkeit, dass dies der Fall ist. Man muss aber natürlich festhalten, dass nicht alle so sind, manche legen sich dann auch wirklich ins Zeug und liken und kommentieren die Bilder, auf denen sie verlinkt wurden und das muss man auch mal honorieren!

Wow, keep up the great work!

Der unerfahrene Instagram-Neuling freut sich über solche Kommentare unter seinen Bildern, immerhin scheint da jemand die Arbeit, die man in den Account steckt, zu honorieren. Die erfahrene Instafamebitch allerdings weiß, dass sich dahinter kein ernst gemeintes Kompliment verbirgt, sondern dass es sich hier um einen Spam- oder gar Botkommentar handelt. Nach einer Zeit fällt einem meistens schon auf, dass hinter dem Kommentar was faul ist und man denkt sich nur: „Hä? Great work? Alter, das ist ein verpenntes, verschwommenes Selfie!“ Leider ist das halt so, wenn man es nötig hat, Bots das Kommentieren zu überlassen, man macht sich relativ schnell lächerlich damit. Vor allem, wenn man dann auf besagtes Profil klickt und sieht, dass jemand dahinter steckt, der der deutschen Sprache sehr wohl mächtig ist. Riesen Fail!

Instagram hat nicht nur ganz eigene moralische Vorstellungen und einen komplett sinnfreien Algorithmus, in der App gibt es auch einen eigenen Slang, den die meisten User nach einer gewissen Zeit total intus haben. Ich geh jetzt mal wieder meine Basis chillen und suche nach etwas, das man instagrammen kann.

Eure Julie,

Die mit dem roten Lippenstift

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9 Comments

  1. Armita
    2 Monaten ago

    Liebe julie. Wiedermal ein total gelungener Beitrag. Ich weiß nur nicht ob es für mich auf instagram auch einen speziellen Ausdruck gibt wenn ich es noch nicht use. Hab i was versäumt? Verrate du es mir bitte?
    Armita

    Reply
  2. Caroline Prange (Caros Fummeley)
    2 Monaten ago

    Also deine versteckte „Link in Bio“ Kritik finde ich dann doch ein wenig hart. Ich habe einen Blog und bin nicht in dieser Welt um eine große Instagram-Nummer zu sein. Natürlich ist das ein Marketinginstrument für mich und natürlich möchte ich, dass meine Follower sich meine DIY-Anleitungen anschauen können und nicht nur das fertige Objekt. 😉

    Reply
    1. Julie
      2 Monaten ago

      War weniger als Kritik gemeint, eher als Erklärung.und wie gesagt, manche nutzens ja auch für gute Zwecke oder posten echt was Interessantes 🙂

      Reply
      1. Nele
        2 Monaten ago

        Offen gestanden schreibe ich zwar auch bei Instagram, wenn ich was blogge (manchmal zumindest), aber ohne diesen Satz. Einfach weil ich mir denke, dass jeder, der länger als zwei Sekunden auf Instagram unterwegs ist, WEISS, dass der Link zu meinem Blog in meinem Profil steht. (In meiner Filterbubble schreibt man eher „Link im Profil“ übrigens – die Instagrammer, denen ich folge, sind wohl nicht so fancy-international ^^)

        Ich finde es nicht schlimm, wenn jemand das bei Instagram postet, allerdings bitte bitte bitte nur einmal und nicht siebenundzwanzigmal! 😉

        Reply
  3. Carina
    2 Monaten ago

    Hallo liebe Julie,

    ein Beitrag in aller Frühe von dir kann richtige Wunder bewirken! =)
    Der Morgen war mit keinen Blick auf den Traunstein ein blöder Morgen, aber
    das eine oder andere Sätzchen deiner Liste ist mir auch schon aufgefallen.
    Zum Glück hatte ich bis jetzt noch keine Botkommentare. 😉

    Den Satz „Link in der Bio“ habe ich auch schon mal verwendet, aus dem einfachen Grund, weil Instagram in den Story-Texten Links nicht heraushebt bzw. klickbar machen. Und die einzige Stelle, wo es geht ohne abtippseln oder doof kopieren muss, ist nun mal in der Bio. Das hab ich schon einige Male festgestellt, seitdem ich meine Bloggbeiträge auch auf Instagram verteile.

    Den Rest habe ich derweil nur am Rande mitbekommen, bin ja erst kurz vor Anfang April dazugekommen, da ich Instagram für eine Challenge angefangen habe. (Bücher im April – Challenge von der lieben Seele von https://seeleswelt.wordpress.com/)

    Liebe Grüße,
    Carina.

    Reply
  4. Christina Key
    2 Monaten ago

    OMG, dieser Artikel ist einfach so unglaublich lustig und fantastisch geschrieben! 😀 😀 Ich kann nicht mehr, einfach genial! Instagram ist schon so eine Welt für sich. Was ich extrem nervig finde, ist dass jetzt jeder in seine Story „like my last picture“ macht und seinen Feed dazu postet, auf dem eben das letzte Bild undeutlich gemacht wurde. 😀

    Ich wünsche Dir ein tolles Wochenende! ♥

    XX,

    http://www.ChristinaKey.com

    Reply
    1. Julie
      3 Wochen ago

      Danke danke danke, liebe Christina! Ich freu mich total, dass dir der Artikel gefallen hat und ich einen Kommentar von dir bekommen 😀 Yay!
      Oh ja, das finde ich auch extrem nervig. Ich schau danach erst recht nicht bei denen vorbei 😀

      LG Julie ♥

      Reply
  5. Rim
    4 Wochen ago

    Der Artikel ist echt toll! Und so witzig! Jetzt weiß ich was es mit den #goals auf sich hat 😂

    Reply
    1. Julie
      3 Wochen ago

      Hihi, danke Rim 😀

      Reply

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